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Daniel Bubel

[Test] - Syberia 3

8 posts in this topic

Bereits im Jahr 2009 gab Microids bekannt, dass man an Syberia 3, einem Nachfolger zum 2004 veröffentlichten Syberia 2, arbeiten wolle. Knapp drei Jahre später begannen die Arbeiten offiziell und man präsentierte im Rahmen der Gamescom erste Artworks und Konzeptzeichnungen zu Kate Walkers dritten Abenteuer. Wir schreiben nun das Jahr 2017 und Syberia 3 wurde veröffentlicht. Ob sich die lange Wartezeit gelohnt hat, oder ob man vielleicht doch noch ein paar Wochen oder Jährchen hätte dranhängen sollen, soll der folgende Test klären.

 

Das Abenteuer beginnt dabei erst einmal spannend: Nachdem das kleinwüchsige Nomadenvolk der Yukol Protagonistin Kate schwerverletzt inmitten der Eiswüste fand, sie pflegten und ihr so das Leben retteten, erwacht sie in einem Sanatorium nahe der Stadt Valsimbour. Erinnerungslücken, zwielichtige Ärzte und Anhänger des Militärs, die sie in der Einrichtung gefangen halten wollen, stellen sie dabei genauso vor Herausforderungen, wie ihr Zimmergenosse Kurk, der das Volk der Youkol als spiritueller Führer auf ihrer heiligen Pilgerfahrt begleiten soll. Auch er kann die Klinik nicht verlassen und so liegt es an Kate einen Ausweg, sowohl für sich, als auch ihren neuen Verbündeten, zu finden, und der Militärmiliz zu trotzen. Dass sie zusätzlich noch von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, erleichtert diese Aufgabe nicht unbedingt.

 

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Viele Gespräche und ordentlich inszenierte Zwischensequenzen treiben die Handlung voran.

 

Die Geschichte und generelle Atmosphäre der Spielwelt, wo sich Elemente osteuropäischer Folkore, Anspielungen auf tatsächliche geschichtliche Ereignisse und des Steampunk, den man schon in den Vorgängern in Form mechanischer Automaten zelebrierte, die Hand geben, sind gelungen und machen Lust auf mehr. Gerade erstere überzeugt auch durch den ein oder anderen emotionalen Moment, den man so nicht erwartet hätte. Da stört es auch kaum, dass man die Bösewichte auf den ersten Blick erkennen kann – oder gehört der schwarzgekleidete, unheilvoll schauende Herr mit der Augenklappe etwa zu den Guten? - und auch viele Nebenfiguren dermaßen überzeichnet sind, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Klischees, das können die Entwickler. Dennoch weiß die Handlung zu gefallen.

 

Zumindest, wenn man auf Englisch oder Französisch spielt. Denn die deutsche Synchronisation ist nicht nur unglaublich lieblos vorgelesen und unpassend besetzt, sondern besteht dabei auch noch aus gefühlt vier Sprechern, die sich abwechselnd um alles kümmern dürfen. Langer Rede kurzer Sinn: Sie ist wirklich schrecklich. Dazu gesellt sich noch, dass das Gesprochene nur selten zu den Lippenbewegungen passt und es manchmal den Eindruck macht, als wären die deutsch übersetzten Sätze einfach zu lang. Nicht selten werden diese mittendrin einfach abgebrochen und der nächste begonnen. Ach ja, umgekehrt geht das aber auch, denn man wird beim aufmerksamen Lauschen nicht umhin kommen zu bemerken, dass mitunter sehr lange Pausen entstehen, ehe es mit dem Satz weitergeht. Macht alles keinen Sinn, zerstört die Glaubwürdigkeit des Augenblicks und ist einfach nur schlampig lokalisiert. Auf Englisch ist das Ganze etwas besser, die Sprecher sind überzeugender, aber Lippensynchronizität gibt es wohl nur auf Französisch.

 

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Gut oder Böse? Wer kann das schon erraten?

 

Wer schon jetzt keine Lust mehr auf den Titel haben sollte, darf getrost aufhören zu lesen, denn viel besser wird es leider nicht mehr. Die technische Präsentation ist nämlich weder solide, noch okay, sondern beinahe katastrophal. Ruckler und sekundenlange Hänger gehören nach jedem Ladebildschirm genauso dazu, wie Spielbereiche, die einfach nicht geladen werden, weswegen man sich stattdessen in einem schwarzen Raum bewegt und das Spiel neu starten darf, und eine absolut unpräzise Steuerung. Einfaches Treppenhochlaufen kann da zur Geduldsprobe werden und gleiches gilt, wenn man einen Punkt finden muss, mit dem man interagieren soll.

 

Das läuft in der Theorie ganz ähnlich wie in den Adventure-Titeln von Telltale: Bewegt man sich auf ein Objekt zu, erscheint ein Kreis auf dem Bildschirm, in dem die Interaktionsmöglichkeiten aufgezeigt werden. So kann man sich Gegenstände oder die Umgebung per Knopfdruck ansehen oder Items nutzen, beziehungsweise aufnehmen. Leider werden diese Aktionskreise nicht besonders zuverlässig getriggert, sodass man häufiger an wichtigen Objekten vorbeiläuft ohne sie überhaupt als solche zu erkennen, was letztlich auch ein Problem des generellen Designs ist. Immerhin werden diese Hotspots auch bei Annäherung erst einmal nur als winzige, weiße Punkte angezeigt. Stellt euch das mal in einer in Grau-, Braun- und Weißtönen gehaltenen Schneelandschaft in, nennen wir es mal Syberia, vor...

 

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Finde den Gegenstand! Nein, ehrlich. Das ist die Aufgabenstellung, die einem häufiger mal begegnet: Fass alles an und finde den richtigen Gegenstand...

 

Während man durch die verschiedenen Bildschirme oder die leeren Gassen Valsimbours läuft (wobei es noch ein paar weitere und abwechslungsreichere Gebiete gibt), macht man auch schnell mit der fixen Kameraperspektive Bekanntschaft. Diese wechselt nämlich ähnlich wie in Resident Evil 1 ihre Position und verharrt dann erst einmal an dieser Stelle, die Steuerung passt sich aber nicht immer an. So kann es schon mal vorkommen, dass man mitten im Lauf ist, man ein neues Gebiet betritt, die Kamera sich dreht und Kate, die noch in der Bewegung ist, schnurstracks wieder zurück läuft. Ja, hier passt der Resident Evil-Vergleich sehr gut. Denn auch die Steuerung erinnert an Capcoms Klassiker. Nicht unbedingt das schlechteste Vorbild für einen Wechsel Syberias vom 2D-Point & Click- in die Welt der 3D-Adventures, aber womöglich hätte man einen aktuelleren Titel wählen sollen.

 

Das tolle Artdesign, das vom belgischen Künstler Benoit Sokal inspiriert ist, geht in den grafischen Mängeln leider unter. Die Animationen sind hölzern, die Texturen matschig und die Mimik ... Nun ja, es kommt vor, dass sie einfach nicht vorhanden ist. Wenn Kate bei Gesprächen nur den Unterkiefer bewegt, während ihre Oberlippe sich ausruht und die toten Augen in die Leere starren, dann ist das ein verstörender Anblick, von dem man sich nicht so schnell erholt. Zumal all ihre Bewegungsabläufe etwas extrem Unnatürliches an sich haben. Auch hier fehlt einfach der Feinschliff. Was man mit Syberia 3 auf technischer und grafischer Ebene geboten bekommt, ist schlichtweg nicht zeitgemäß.

 

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Ein verschlafenes Nest, dieses Valsimbour. Das Artdesign passt, aber die Grafik ist oft eher zweckmäßig.

 

Dafür sind die Rätsel immerhin gelungen, was schon der Auftakt deutlich macht. Hier muss ein Knopf betätigt werden, um die Tür zu einem Zimmer öffnen zu können. Da dieser Knopf nicht funktioniert, muss die Abdeckung des Schaltkastens entfernt werden. Doch was tun, wenn kein Schraubenzieher zur Hand ist? Man schnappt sich einfach ein im Raum herumliegendes Buttermesser, entfernt eine Schraube und kann die Verkabelung in Ordnung bringen. Die Tür öffnet sich und man kann den Raum verlassen. Späterhin werden die Rätsel zwar knackiger und auf jeden Fall komplexer – wenn man beispielsweise mechanische Apparaturen neu zusammenbauen und verschiedene Schalter betätigen muss – aber richtige Kopfnüsse sucht man vergebens. Meist sind die nötigen Gegenstände nur einen oder zwei Räume weiter versteckt.

 

Apropos Rätsel: Manches mal bereitet einem das Spiel durch andere Gründe Kopfzerbrechen. Beispielsweise möchte uns einer der Ärzte partout nicht glauben, dass man Kate in jenem Sanatorium eingesperrt lassen möchte und man Teil einer Verschwörung ist. Der gute Doktor glaubt das natürlich nicht und blockt ab, fordert gar Beweise für diese Unterstellung. Was er nicht weiß und uns nichts bringt, ist, dass im Nebenraum eine eMail abrufbar ist, die genau das beweist – nur interagieren kann man mit dieser nicht. Oder an einem anderen Punkt braucht ein NPC dringend seine Medikamente. Dass wir an falscher Stelle suchen, das kann er einem mitteilen, aber nicht etwa wo die Medizin steht. Klar sind das Rätsel um des Rätselns willen, aber glaubwürdiger hätte man diese dennoch implementieren können. Und so sind es oftmals seltsame Designentscheidungen und die kleinen Widersprüche, die jede neu aufkeimende Sympathieregung direkt wieder zunichte machen.

 

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Manchmal gibt es auch Dialogoptionen. Wirklich Einfluss auf die Handlung haben diese aber nicht.

 

FAZIT:

 

Syberia 3 wirkt so unfertig, dass man sich fragt, was die Entwickler in den letzten Monaten überhaupt getrieben haben. Die Steuerung ist fummelig, die Grafik im allerbesten Fall solide und die Kameraführung ein Graus. Vielleicht hätte man die Veröffentlichung noch verschieben müssen, denn das Artdesign, die Musik, Rätsel und Geschichte sind nämlich durchaus gelungen. Fans von Adventures im Allgemeinen oder den Vorgängern im Besonderen, können einen vorsichtigen Blick riskieren, aber alle anderen sollten erst einmal Abstand wahren. Die technischen Mängel könnten durch Patches ausgebügelt werden, aber bisher war das nicht der Fall. Wer das Spiel dennoch spielt, soll aber bitte die Systemsprache der PlayStation 4 auf Englisch oder Französisch stellen, denn was da in Deutsch aus den Boxen tönt, geht gar nicht.

Infos
Syberia 3
Syberia 3 Packshot
Publisher: Astragon
Entwickler: Microdids
Release: 2017-04-19
Zusammenfassung
... schlittert gerade so an der Bezeichnung "technische Katastrophe" vorbei. Schade, denn wo die Technik versagt, versteckt sich hinter der Geschichte und den Rätseln einiges an Potential
Positiv
  • Interessante und komplexe Rätsel
  • Schönes Artdesign, guter Soundtrack
Negativ
  • Unpräzise Steuerung
  • Furchtbare deutsche Synchro

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Guter Test, wobei ich nach dem Lesen eher eine 4,0 auf der nach oben offenen Bewertungsskala vermutet hätte.

 

Nichtsdestotrotz - weiter so :thumbup:

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Den Test kann ich so unterschreiben...

Die Syberia-Reihe hat sich immer schön inziniert (Story, Rätsel, Aufmachung, etc.). Die technische Umsetzung bei Syberia 3 ist aber wirklich mangelhaft. Vor allem, wie bereits genannt, die deutsche Synchronisation. Gespräche werden abgebrochen (weil die deutsche Übersetzung zu lang ist), Kate Walkers Unterkiefer entgleist in alle Richtungen und wirkt selber wie ein Automat und allgemein ist die Übersetzung fehlerhaft oder teilweise gar nicht vorhanden. Die Steuerung ist unpräzise und die Grafik sehr veraltet.

 

Nichtdestotrotz lasse ich mich auf die schöne Atmopshäre ein...das kann Syberia immerhin noch ;)

 

 

Nachtrag:

unfassbar, Frage mich wer bei solchen Projekten die Endabnahme macht!

Das habe ich mich auch gefragt...

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Habs noch verpackt da liegen, wills jemand ? Trau mich kaum die Folie abzuziehn hehe, nicht das meine ps4 pro noch Schaden nimmt...

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Habs noch verpackt da liegen' date=' wills jemand ? Trau mich kaum die Folie abzuziehn hehe, nicht das meine ps4 pro noch Schaden nimmt...[/quote']

 

 

ich neheme es gerne leihweise ;) ... hab eig so Bock auf das Game aber will kein Geld aus dem Fenster werfen.

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Ganz so schlimm ist es nicht. Auf der pro soll es etwas besser laufen, aber das konnte ich nicht überprüfen...

Kann ich leider nicht bestätigen ;)

Ich frage mich eh, wie man es schafft ein Adventure mit solchen Ladenzeiten und Ruckler zu programmieren. Hut ab...das schaffen ja nicht einmal AAA-Titel a la Battlefield 1 und Horizon Zero Dawn :D

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