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Vondergraaf

[Test] Perception

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Wer sich auf der Suche nach einem Horror-Spiel befindet, wird schnell fündig. Egal ob man lieber schleichen, rennen, kriechen oder dem übernatürlich angehauchten Gegner mit Waffengewalt entgegentreten möchte, es sollte für jeden etwas dabei sein. Denn das Horror-Genre steht hoch im Kurs. Einzig an Innovationen mangelt es den atmosphärisch meist dichten Werken. Doch daran will Entwickler The Deep End Games nun etwas ändern und versetzt den Spieler in Perception in die Rolle der blinden Protagonistin Cassie.

 

 

Diese litt in letzter Zeit vermehrt unter eigenartigen Alpträumen, in die sich vier mysteriöse Gegenstände und bizarre Visionen an ein verfallenes Anwesen schlichen. Nachdem sie den Standort des tatsächlich existierenden Hauses ausfindig gemacht hat, begibt sie sich auf den Weg nach New England, um dem Geheimnis des Anwesens und den Hintergründen ihrer Alpträume auf die Spur zu kommen. Und so beginnt die Reise in ein Labyrinth eigentümlicher Schrecken und Erinnerungen, die nicht nur ihre eigenen sind, aber dennoch immer mit ihr in Verbindung zu stehen scheinen.

 

perception_1q5u2a.jpgMan muss kein Horror-Experte sein, um zu ahnen, dass hier Unheil droht...

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Zwischen vier bis fünf Stunden dauert es das Spiel zu beenden und die einzelnen, in sich geschlossenen Geschichten zu erleben, welche die Rahmenhandlung miteinander verbinden. Es sind dabei kleinere Kurzgeschichten, die von brillant bis okay eine ordentliche Bandbreite dessen bieten, was der geneigte Horrorgenießer aus Schauermärchensammlungen kennt. So sind sie auch mal mehr, mal weniger gut, aber immer stimmungsvoll. Und während diese große Geschichte, die in mehrere Kapitel und Epochen unterteilt ist, durchaus ihre Höhepunkte hat und man allein deshalb schon am Ball bleiben möchte, sind es die außergewöhnlichen Spielmechaniken, die den wahren Reiz ausmachen.

 

Denn wie eingangs bereits erwähnt ist Cassie seit ihrer Geburt blind, weswegen sie ihre Umgebung anders wahrnimmt als andere Menschen. Um diese Blindheit in einem Spiel darstellen zu können, entschieden sich die Entwickler für eine Art Echolot. Das Bild bleibt demnach erst einmal schwarz, es sei denn man hört oder verursacht ein Geräusch. Dann entsteht in Cassies Geist und somit auf unseren Bildschirmen eine bläulich eingefärbte Anordnung grob gezeichneter Umrisse von Gegenständen, Wegen und Türen, die in der Nähe sind visuell dem Negativeffekt von Bildern nicht unähnlich.

 

Klopft man mit ihrem Blindenstock also auf den Boden, verursacht das genauso ein Geräusch, wie ein tropfender Wasserhahn oder eine leckende Heizung im Nebenzimmer. Hiervon breiten sich dann Schallwellen aus, die sich an der Umgebung „brechen“. Schade nur, dass man den eigenen Stock beispielsweise so ungehemmt nutzen kann, wie man das möchte. So gehen der Reiz der Darstellung und die damit verbundene Anspannung leider schnell flöten. Es gibt zwar die ein oder andere Stelle im Spiel, während der man sich selbst zügeln muss, wenn man nicht das Zeitliche segnen möchte, aber diese... Begegnungen beschränken sich auf ein Minimum.

 

[align=center] perception_2ehu6r.jpg

[/align] [align=center]Trotz des minimalistischen Stils mangelt es nicht n stimmungsvollen Umgebungen.

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Denn nicht nur die verschiedenen Abzweigungen und chaotisch verlaufenden Gänge des Anwesens bereiten Cassie Probleme, sondern auch Geister treiben dort ihr Unwesen. Diese stellen zwar keine Gefahr für den Spieler dar, überraschen aber immer wieder mit clever platzierten Jumpscares oder verursachen Spannung steigernde Geräusche, die einen plötzlich aus der Blindheit reißen.

 

Auf der gefährlichen Seite haben wir allerdings ein Wesen, das über das alte Haus zu wachen scheint. Wer oder was die sogenannte „Präsenz“ ist, ist mir noch immer nicht ganz klar, aber sie kann den Spieler jagen und ihn töten, wenn er nicht rechtzeitig ein Versteck findet. Ähnlich wie in Outlast halten dafür Schränke oder Betten her, die hier aber nicht vom Feind durchsucht werden. Das bedeutet unterm Strich, dass man sicher ist, sobald man ein solches Versteck erreicht hat. Dass diese durch grüne Umrisse gekennzeichnet werden, macht es selbst auf der Flucht sehr leicht, sie zu finden.

 

Aber so weit muss es auch erst einmal kommen. Und ganz ehrlich, wirklich gefährlich ist die Präsenz nur auf dem Papier. Zwar bedeutet ein Kontakt mit dem Wesen den sofortigen Tod, aber man scheucht es auch nur auf, wenn man allzu viele Geräusche verursacht. Nur wer also wie ein Irrer mit dem Stock auf den Boden oder andere Gegenstände schlägt, oder auf Holzböden rennt, obwohl es keinen Grund dazu gibt, wird wirklich Probleme bekommen. Zumal es hier – genauso wie bei einem später hinzu kommenden Gegnertyp – auch noch eine rein quantitative Begrenzung der Begegnungen gibt.

 

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[/align] [align=center]Grün ist gut. Kann man sich genau so merken.

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Ansonsten führen kleinere Schalter- oder Schlüsselrätsel durchs Spiel, während Tonaufnahmen Hintergrundinformationen liefern. Verstreute Notizen können von Cassies „Text-to-Speech“-App wiedergegeben werden und manche Gegenstände scheinen gar eine besondere Reaktion in der blinden Protagonistin auszulösen. Plötzlich auftretende Visionen, Flashbacks und verstörend Bilderfolgen halten nicht nur die Spannung oben, sondern öffnen manchmal auch den weiteren Weg. Und so liegt das Hauptaugenmerk von Perception letztlich auch in der Erkundung dieses fremden und unwirklich erscheinenden Anwesens.

 

Richtig überzeugen kann im Übrigen das Sounddesign des Spiels. Egal ob unheilvolle Melodien, überraschend ertönende Geräusche oder leise säuselnde Geister, hier stimmt die Mischung einfach. Und natürlich hat man auch den Vorteil, dass viele der erzeugten Soundeffekte auch gleichzeitig durchaus eindrucksvoll visualisiert werden. Das kann tatsächlich - und hier gelingt der Ansatz Blindheit für den Spieler greifbarer zu machen am ehesten - eine andere Wahrnehmung von Tönen erzeugen.

 

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[/align] [align=center]So ein alter Heizkörper kann schon mal von Vorteil sein.

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Fazit

 

[/align][align=CENTER]Perception überrascht gerade zu Beginn durch den ungewöhnlichen, aber effektiven Grafikstil. Die Atmosphäre passt und durch einige narrative Kniffe und Tricks wird das Anwesen, das es zu Erkunden gilt, zum heimlichen Protagonisten. Leider erschöpft sich der Reiz des Gameplay nach einer Weile und wird repetitiv. Und wenn man den Dreh erst einmal heraus hat, lassen sich auch Feindkontakte komplett vermeiden.

 

[/align][align=CENTER]Und so schöpft der Horror-Titel seine cleveren Ideen leider nicht komplett aus und gerade die innovativen Ansätze verlieren sich ein wenig in Bedeutungslosigkeit. Das ist besonders in Hinblick auf die kurze Spielzeit schade. Trotzdem gilt: Für 21,99 € bekommt man einen soliden bis sehr guten Horror-Titel mit ungewöhnlicher Spielmechanik und sympathischer Hauptfigur.

Infos
Perception
Perception Packshot
Publisher: Feardemic
Entwickler: The Deep End Games
Release: 2017-06-06
Zusammenfassung
... Will ein Spiel mit der Wahrnehmung sein, was aber nur im Ansatz wirklich gelingt. Sichtbare Geräusche bei ohnehin eindrucksvoller Soundkulisse wissen zu gefallen, aber das repetitive Gameplay fällt auch während der kurzen Spielzeit schon negativ auf.
Positiv
  • Innovative Echolot-Fortbewegung...
  • Ungewöhnlicher Grafikstil
Negativ
  • deren Reiz sich schnell erschöpft
  • Verstecke allzu auffällig markiert

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