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Daniel Bubel

[Test] - Superhot / Superhot VR

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Dass Zeit relativ ist, sollte mittlerweile jeder schon einmal gehört oder erlebt haben. Albert Einstein hat das in Zusammenhang mit der berühmten Relativitätstheorie festgestellt, man selbst kann das jedes Wochenende aufs Neue beobachten, wenn der Sonntag gefühlte zwei Lidschläge lang ist und als fleißige Biene, die mit beiden Flügeln im Arbeitsdrohnenleben schwebt, kennt man das ja ohnehin nur allzu gut: Die Zeiger der Uhr bewegen sich zum Ende der Schicht hin wesentlich langsamer, als noch während der Mittagspause. Wenn die Wahrnehmung von Zeit also subjektiv ist und Zeitlupensequenzen bekanntermaßen ohnehin immer cool aussehen, warum kein Spiel daraus machen? Das dachte sich wohl auch das Team hinter Superhot und präsentiert uns einen der innovativsten Shooter der letzten Jahre.

 

 

Wem das Ende dieses oben stehenden Satzes noch nicht reicht um vor sich selbst einen Kauf zu rechtfertigen, für den werde ich folgend noch ein wenig ins Detail gehen. Zuerst einmal bleibt festzuhalten, dass es sich bei Superhot und Superhot VR um zwei Gameplay-technisch gleiche, aber in einigen Punkten doch unterschiedliche Spiele handelt. Dementsprechend kann man sie auch im PlayStation Store separat oder in Form eines Bundles erwerben. Der folgende Test konzentriert sich in erster Linie auf die Standard-Version von Superhot, das für jeden Besitzer einer PS4 spielbar ist, um dann im letzten Absatz auf die Unterschiede der Virtual Reality-Fassung einzugehen.
 

Was nach dem Start des Spiels direkt auffällt, ist die Präsentation des Spiels, die sich irgendwo zwischen der Computerspielästhetik der 1980er und einer noch minimalistischeren Version des Grafikstils bewegt, den man aus der Mirror's Edge-Reihe kennt. Wo sich das Hauptmenü des Spiels als Oberfläche eines alten PC-Betriebssystems präsentiert, erscheint das Spiel selbst durch seine lediglich in Konturen angedeuteten und weiß gehaltenen Umgebungen und seine rotgefärten Gegner in einer einzigartigen Form. Schon auf den ersten Blick wird klar, dass Superhot anders sein möchte als andere Shooter.

 

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Hauptmenü und ASCII-Anspielungen wecken Erinnerungen an alte Zeiten. Auch wenn der Screenshot direkt von der PS4 stammt, verwiesen wird weiterhin auf die Veröffentlichung der PC-Fassung

 

Dementsprechend bleibt es aber auch nicht bei dieser rein grafischen Abhebung, sondern es kommt auch eine spielerische Abgrenzung. Man sollte das Spiel daher auch trotz des Vorhandenseins von Katanas, Pistolen, Schrotflinten und anderen Tötungswerkzeugen eher auf der Seite eines Portal einordnen, denn bei Call of Duty.

 

Denn in Superhot – und jetzt kommen wir an den Punkt, an dem die Einleitung endlich Sinn machen wird – bewegt sich die Zeit nur sehr langsam, beinahe kaum fühlbar. Eine vom Feind abgefeuerte Kugel kann noch Sekunden oder gar Minuten davon entfernt sein, in den Schädel des aus der Ego Perspektive gesteuerten Protagonisten zu landen, der weit ausgeholte Schlag eines Gegners könnte einen voll erwischen oder auch einige Meter vorbei ins Leere donnern. Dieser beinahe Stillstand der Zeit wird immer nur dann unterbrochen, was bedeutet, dass sich die Zeit in einem normalen Fluss weiterbewegt, wenn man sich selbst bewegt. Die Kugel fliegt also nur dann weiter, wenn man selbst eine Aktion ausführt, einen Schritt in eine beliebige Richtung macht oder springt. Sieht man sich nur um und beobachtet die Situation, bleibt die Zeit in ihrer zähfließenden Form.

 

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Keine ausweglose Situation, sondern zahlreiche Möglichkeiten.

 

Daraus und aus dem hervorragenden Leveldesign ergeben sich nun knifflige Situationen, in denen man den nächsten Schritt genau abwägen muss, möchte man nicht das Zeitliche segnen. Zahlreiche Gegner stürmen auf einen zu, aus allen Richtungen, unbarmherzig in Richtung des Helden. Es gilt den Aufbau eines Levels zu erlernen, Spawnpunkte zu erkennen und geschickt zu reagieren. So kann man unter Kugeln hindurch tauchen, Feinde entwaffnen oder herumliegende Gegenstände zu seinem Vorteil nutzen.

 

Ohnehin sollte man immer Vorsicht walten lassen, denn ein Treffer bedeutet auch den sofortigen Tod. Doch die Checkpoints sind fair verteilt und durch einen einfachen Knopfdruck setzt man das Level zurück und seine Reise fort. Und wenn man den perfekten Weg gefunden hat, bewegt man sich mit einer Sicherheit durch das Level, die an die Choreographie eines Actionfilms erinnert und gerade durch die Zeitlupe Erinnerungen an The Matrix weckt.

 

Wenn man einem Gegner die letzte im Magazin verbleibende Kugel in den Kopf schießt, die Waffe auf einen heranstürmenden Feind wirft, der daraufhin sein Katana fallen lässt, das man aus der Luft fängt, nur um damit zuerst ihn und dann eine aus dem toten Winkel nahende Kugel in der Mittel zu zerteilen, dann sieht das nicht einfach nur cool aus, sondern es fühlt sich auch so an. Da stört es auch weniger, dass die Hitboxen nicht immer richtig definiert zu sein scheinen und geworfene Gegenstände auch mal an unsichtbaren Hindernissen abprallen.

 

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In 34 Levels kann man so seine Fähigkeiten testen und verbessern, wobei man sich von der nackten Zahl nicht beeindrucken lassen sollte. Die meisten Level sind innerhalb weniger Sekunden erledigt, spätestens aber nach ein paar Minuten ist Schluss. Und so schafft es Superhot auf nicht mehr als zwei bis drei Stunden reiner Spielzeit für die sogenannte Kampagne, in deren Rahmen eine durchaus interessante Geschichte erzählt wird, in der Spieler, Hacker und die virtuelle Realität eine übergeordnete Rolle spielen. Mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden, nur noch so viel: Es lohnt sich durchaus.
 

Ist die Kampagne beendet, kann man die Level alle nochmals frei auswählen und erneut spielen, oder aber man versucht sich an den Herausforderungs- beziehungsweise Speedrun-Modi. Hier müssen beispielsweise die Level unter bestimmten Bedingungen beendet werden – etwa nur mit Katana – oder aber vorgegebene Zeiten unterboten werden. Das ist zwar nicht mehr ganz so spannend wie noch während des ersten Durchgangs, kann aber durchaus motivieren.

 

 

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Wie bereits erwähnt gelten für Superhot VR generell die gleichen Voraussetzungen wie für die Standard-Version. Der Gameplay-Kniff bleibt natürlich bestehen, da der Titel in dieser Fassung allerdings ausschließlich mit den PS Move-Controllern gespielt wird, ergeben sich komplett unterschiedliche Ausführungen der gleichen Mechanik.

 

So kann man die eigene Figur nicht von der Stelle, sondern nur auf ihr bewegen. Die Zeit läuft also weiter, wenn mit dem Armen herumfuchtelt oder sie vorsichtig bewegt. In jeder Hand hat man einen Move-Controller und somit zwei voneinander unabhängige Hände, die man für Waffen jeder Art einsetzen kann. Es ist also durchaus möglich in der rechten Hand einen Wurfstern zu halten, während die linke sich an eine Uzi klammert. Da man sich selbst allerdings nicht bewegen kann, ist der komplette Aufbau der Levels anders als in der Standard-Version. Es handelt sich also nicht einfach um einen Port, sondern um eine eigenständige Erfahrung.

 

 

Leider auch eine, die einen zwiegespaltenen Eindruck hinterlässt, denn einerseits war die Intensität der Spielerfahrung mit aufgesetztem PS VR-Headset zwar wesentlich beeindruckender und mitreißender als es die normale Version jemals sein können wird, auf der anderen Seite merkt man dem Titel an, dass die Trackinglösung von Sonys Virtual Reality-Brille hier nicht optimal funktioniert. Manchmal erkennt die Kamera die Controller nicht mehr richtig, gerade wenn Gegenstände etwas unterhalb der Spielfigur liegen. Zwar lässt dich das Problem durch eine über dem Fernseher platzierte Kamera deutlich reduzieren, aber ganz verschwindet es leider nicht. Problematischer sind allerdings Gegner, die sich von der Seite nähern. Dreht man den Körper zu weit in deren Richtung, verschwinden die Move-Controller gerne mal aus dem Bild, was bedeutet, dass sie nicht mehr erkannt werden können. Hier kann man zwar seine Spielweise anpassen und die Problematik weitestgehend umgehen, man merkt aber deutlich, dass eine andere Trackingmethode von Vorteil gewesen wäre.

 

Nichtsdestotrotz bleibt die Spielerfahrung selbst einzigartig und ungewöhnlich gut. Die Zeitlupenkämpfe machen – wenn sie denn reibungslos funktionieren – sogar noch mal mehr Spaß als in der Nicht-VR-Version.

 

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FAZIT

 

Als der Superhot Key in meinem Postfach gelandet ist, habe ich mich sehr gefreut, war aber über das Fehlen der VR-Variante enttäuscht. Immerhin ging ich von einem einfachen Port aus. Nachdem ich den Titel allerdings angespielt hatte, wurde mir nicht nur bewusst, wie wunderbar innovativ und flüssig sich dieser Puzzle-Shooter spielt, ich ahnte auch, dass diese Version kaum in der virtuellen Realität funktionieren würde. Also schüttelte ich den Gedanken an die PSVR-Variante ab und ließ mich voll auf den Titel ein. Und ich wurde nicht enttäuscht: Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß mit einem „kleinen“ Titel. Die Level zu erlernen und immer neue Herangehensweisen auszuprobieren macht unglaublich viel Spaß und motiviert. Leider ist die Kampagne doch etwas kurz geraten, darüber täuschen auch die Herausforderungen und versteckte Boni nicht hinweg.


 

Für Superhot VR gab es zwar keinen Key, aber ich konnte nicht widerstehen und wollte die Unterschiede im Test doch erklären, sollte es denn welche geben. Und ja, die Titel separat zu verkaufen macht absolut Sinn, handelt es sich doch um zwei unterschiedliche Spiele, was Leveldesign und deren Aufbau angeht. Zwar bleiben Gameplay und die Kritik an der kurzen Spielzeit gleich, aber der immersive Sog ist um einiges größer, das Abtauchen in diese bizarre Zeitlupenwelt fällt wesentlich leichter. Gäbe es die Trackingprobleme nicht, die VR-Version wäre für mich das eindeutig bessere Spiel. So bleibt die Wertung für mich unterm Strich die gleiche.

 

Aber es gilt: Superhot ist einer der innovativsten Shooter der letzten Jahre - Egal ob in VR oder nicht.

Infos
Superhot VR
Superhot VR Packshot
Publisher: SUPERHOT Team
Entwickler: SUPERHOT Team
Release: 2017-07-18
Zusammenfassung
Egal ob Superhot oder Superhot VR, der Titel überzeugt durch klasse Levels und innovatives Gameplay. So schön war die Zeitlupe schon lange nicht mehr!
Positiv
  • Unverbrauchtes Gameplay
  • Toll designte Level
  • Interessante Story
Negativ
  • Sehr kurze Spielzeit
  • Trackingprobleme (Superhot VR)

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