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Daniel Bubel

[Test] - Mary Skelter: Nightmares (PS Vita)

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Die PS Vita ist tot, lang lebe die PS Vita! Das oder zumindest etwas ähnliches muss man über Sonys voraussichtlich letzten Handheld sagen, wenn man den westlichen und den asiatischen Markt miteinander vergleicht. Denn während japanische Spieler regelmäßig mit Spielen versorgt werden, müssen wir uns hierzulande über die ein oder andere Indie-Veröffentlichung, beziehungsweise den stark zeitversetzten Release eines japanischen Spiels freuen, das hierzulande eher in die Kategorie Nische denn Systemseller fällt. Aber nicht nur, dass man als Vita-Besitzer ohnehin nimmt, was man eben bekommt, manchmal verstecken sich unter den Veröffentlichung auch durchaus sehr gute Spiele. Ob Mary Skelter: Nightmares dazu zählt oder man es ignorieren sollte, versucht der folgende Test zu klären.

 

 

Zur Handlung

 

Während es sich bei Mary Skelter: Nightmares in erster Linie um einen spielerisch gewöhnlichen, aus der Ego-Perspektive gesteuerten Dungeon-Crawler handelt, beginnt die Geschichte bereits eher außergewöhnlich. Als Spieler übernimmt man die Rolle von Jack, der gemeinsam mit seiner Freundin Alice in einem lebendigen Gefängnis eingesperrt ist. Dieser auch im Spiel nur Jail genannte Ort wird von niederen Instinkten und Gelüsten getrieben, weswegen es seine Gefangenen täglich zu sich ruft, um sie zu foltern, zu erniedrigen oder noch schlimmeres mit ihnen anzustellen.

 

Doch eines Tages werden sie von einem mysteriösen Mädchen namens Red Riding Hood gerettet, dass ihnen offenbart, dass es sich bei Alice um eine sogenannte Blood Maiden handelt, eine mächtige Kämpferin, die gegen die im Gefängnis lebenden Monster namens Marchen bestehen kann. Zusätzlich kann sie das Blut besiegter Gegner auflecken oder anderweitig absorbieren, um in einen Zustand mächtiger Raserei zu verfallen. Kurzum: Die Blood Maidens sind die einzige Möglichkeit das Gefängnis zu töten und der gebeutelten Menschheit die Freiheit zu schenken.

 

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Mary Skelter: Nightmares leiht sich viele Namen und Figuren aus bekannten Märchen der Gebrüder Grimm und lässt sich auch beim Design der Umgebungen stark von gewissen Leitmotiven und Bildern inspirieren. So erinnert der erste Teil des Spiels, in dem es um das Erwachen von Alice Fähigkeiten geht mit seinen im Dungeon verteilten Spielkarten durchaus an eine extrem düstere Version von "Alice im Wunderland".

 

Die Handlung wird wie in Visual Novels in Standbildern und teilanimierten Zwischensequenzen erzählt, während derer man viele Texttafeln lesen muss. Wie so oft sollte man als Spieler über gute Englischkenntnisse verfügen, deutsche Texte oder Untertitel sucht man vergebens. Ist diese Voraussetzung allerdings geschaffen, darf man sich auf eine durchaus gelungene Erzählung freuen, die mit einigen Wendungen und überraschend gut ausgearbeiteten Persönlichkeiten zu überzeugen weiß.

 

Zahlreiche Kämpfe...

 

Klickt oder liest man sich nicht gerade durch Tutorials, beziehungsweise die zahlreichen Gespräche, liegt der Fokus auf der Erkundung des lebendigen Gefängnisses. Aus der Ego-Perspektive steuernd deckt man so Stück für Stück die immer größeren Karten auf und muss sich in unzähligen Zufallskämpfen beweisen. Diese laufen rundenbasiert ab, bieten aber einige neue Features. Nimmt Jack nicht aktiv am Kampf teil, sondern kann während seines Zuges lediglich Items nutzen, sich schützend vor die Blood Maidens stellen oder diese aus dem bereits erwähnten Raserei-Zustand befreien, sollte dies nötig sein.

 

Ansonsten konzentriert man sich als Spieler auf die Aktionen, die man mit den im Team befindlichen Frauen ausführen kann. Da jede über unterschiedliche Fähigkeiten verfügt und das entsprechende Repertoire durch unterschiedliche Jobs noch ergänzt werden kann, werden die Kämpfe schnell taktisch anspruchsvoll, wobei auch hier nach einem erweiterten „Schere, Stein, Papier“-Prinzip gehandelt werden kann. So sind Angriffe mit dem Feuer-Element beispielsweise gegen Eiselementar-Gegner besonders effektiv, usw.

 

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Die großen Überraschungen liegen in den Blutspritzern besiegter Gegner begraben. Erledigt man diese nämlich auf besonders effektive Art und Weise – beispielsweise durch Ausnutzen einer Schwachstelle – spritzt das Blut nur so durch die Gegend und befleckt den umliegenden Boden oder die am Kampf teilnehmenden Blood Maidens. Dadurch füllt sich Stück für Stück eine entsprechende Leiste, an deren Ende die Verwandlung in den sogenannten Massacre-Modus wartet. Hier sind sie zwar besonders stark, drehen mit der Zeit aber komplett durch und sind nicht mehr zu bändigen. Die Raserei steht dann bevor.

 

Um dem Ganzen noch einen äußerst bizarres i-Tüpfelchen aufzusetzen, darf man den Grimmschen Grazien neben normalen Angriffen oder der Nutzung anderer Fähigkeiten oder Magie zusätzlich noch befehlen ihre Kameradinnen abzulecken. Ja, richtig gelesen, sie können den anderen Teammitgliedern das Blut vom Körper lecken, um von besonderen Vorteilen zu profitieren, beziehungsweise den Eintritt in den Massacre-Modus zu verzögern.

 

Leider sind die Kämpfe gegen Standard-Gegner meist eine Spur zu leicht, zumindest wenn man nur selten flüchtet. Ist man unterlevelt oder spielt auf einem höheren Schwierigkeitsgrad, sieht das anders aus, aber der „normale“, also der empfohlene, Schwierigkeitsgrad erwies sich als geradezu einsteigerfreundlich. Gut also, dass man ihn jederzeit anpassen kann.

 

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… und Alpträume in einem Labyrinth namens Jail

 

Ab und an trifft man während der Erkundung des labyrinthartigen Gefängnisses auch auf besondere Gegner, Alpträume genannt. Diese gelten als unsterblich und können einem das (Über)Leben ganz schön zur Hölle machen. In jedem Spielareal treibt sich einer dieser Feinde herum. Begegnet man diesen, erkennt man das einmal an der dunklen Präsenz, die sie sichtbar umgibt und andererseits daran, dass man in einen neuen Spielmodus wechselt. Denn hier ist nicht der Kampf das Ziel, sondern die Flucht.

 

Also Beine in die Hand genommen und durch das Labyrinth namens Jail geflüchtet. Dabei gilt es den Feindkontakt weitestgehend zu vermeiden und genügend Abstand zwischen sich und den Alptraum zu bringen. Erwischt einen das Ungetüm allerdings doch einmal, kann man ihn so lange attackieren bis man ihn kurzzeitig handlungsunfähig macht. Dann verlässt man automatisch den Kampf und kann weiter flüchten.

 

Es gibt viel zu tun

 

Neben den Kämpfen und der Erkundung gibt es auch zahlreiche Nebenaufgaben zu erfüllen. Diese werfen erwartungsgemäß besondere Ausrüstung ab oder finanzielle Mittel. Letztere gibt man in der einzigen gefahrenfreien Zone, der befreiten Stadt auf, in der sich der Widerstand niedergelassen hat. Zwischen den Kämpfen kann man dort nicht nur rasten, sondern sich auch mit zahlreichen Haupt- und Nebencharakteren unterhalten und die Verbindung zu den Blood Maidens erhöhen. Dies funktioniert ganz ähnlich wie in Persona 5, indem man Zeit mit ihnen verbringt oder bestimmte Aufgaben erledigt. So viel Tiefgang wie bei dem erwähnten Vergleichspartner sollte man allerdings nicht erwarten.

 

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FAZIT

 

Bei Mary Skelter: Nightmares handelt es sich um einen Dungeon Crawler, der vor allem durch seinen gelungenen Artstyle, das außergewöhnliche Setting und die interessante Geschichte überzeugen kann. Grafisch und technisch bewegt man sich im soliden Bereich, denn obwohl die zweidimensionalen und gezeichneten Anime-Figuren gefallen, wirken gerade die dreidimensionalen Umgebungen und Gegner eher schwach.

 

Die rundenbasierten Kämpfe funktionieren hervorragend und wirken durch den "Massacre Mode" trotz bekannter Muster durchaus erfrischend. Ansonsten macht der Titel nicht viel schlecht, aber auch nichts so gut, dass er mir lange in Erinnerung bleiben würde. Wer neues Futter für die PlayStation Vita sucht und sich an mitunter leicht bekleideten Anime-Damen nicht stört, darf einen Blick riskieren.

Infos
Mary Skelter: Nightmares
Mary Skelter: Nightmares Packshot
Publisher: Idea Factory International Inc.
Entwickler: Compile Heart
Release: 2017-09-21
Zusammenfassung
Gelungener Dungeon-Crawler mit reichlich absurden Ideen und außergewöhnlichen Charakteren. Kein Titel, an den man sich in 20 Jahren noch erinnern wird, aber einer, der durchaus zu fesseln weiß. - 7/10
Positiv
  • Stimmiges Artdesign
  • Großer Umfang
  • Gelungenes Kampfsystem
Negativ
  • Zu viel des Waifu-Fanservice
  • Mitunter sehr viel Backtracking
  • Ungenaue Aufgabenstellung

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