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Daniel Bubel

[Test] - theHunter: Call of the Wild

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Nachdem meine einzigen Jagderfahrungen auf dem täglichen Vorbeifahren am Wald und speziellen Aufträgen in Spielen wie Far Cry oder Tomb Raider basierten, war ich natürlich der perfekte Kandidat um die Jagdsimulation theHunter: Call of the Wild zu testen. Aller Unwissenheit zum Trotz habe ich mich in die virtuelle Wildnis begeben und mit Flinte und Kompass ausgestattet mein Bestes gegeben. Ob die Entwickler von Expansive World, die immerhin zu den Avalanche Studios gehören, einen ebenso immersiven wie einsteigerfreundlichen Ausflug in offene Welten gestalten konnten oder ich aufgrund der Spielmechaniken die sprichwörtliche Flinte ins Korn geworfen habe, soll der folgende Test klären.

 

 

Hat man das Spiel gestartet und sich sein gewünschtes Geschlecht, sowie eines der vorgegebenen Erscheinungsbilder ausgesucht, gilt es sich für eine von zwei offenen Welten zu entscheiden. Denn theHunter: Call of the Wild bietet, neben der gewöhnungsbedürftigen Schreibweise des Titels, zwei große Areale, in denen man auf die Jagd gehen kann. Da wäre zum einen ein Bereich in Europa und einer im Nördlichen Amerika. Dank Feuchtgebieten, weiten Tälern, Feldern oder eben dichten Wäldern, gestalten sich die Umgebungen als äußerst abwechslungsreich.

 

Das gilt leider nicht unbedingt für die Vielfalt der Tiere, auf die hier schließlich Jagd gemacht werden darf. Neben Hasen, Füchsen, Rehen, Wildschweinen Bären und Bisons, gibt es dann auch nicht mehr allzu viel zu entdecken. Hier ein Hirsch, da ein Kojote und umherfliegende Insekten und Vögel, damit hätten wir die Grenzen der Fauna auch ausgelotet. Wo der Jagdexperte womöglich „Reicht doch“ schreit und damit im Rahmen einer realistischen Betrachtung auch recht hat, hätte ich einfach mit mehr gerechnet. Aber darüber kann man sicherlich streiten und ja ohnehin hinwegsehen, wenn der Kern des Titels, nämlich der Simulationsaspekt der Jagd, stimmig ist.

 

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Und hier passt einiges: Aus der Ego-Perspektive wandert man durch die erwähnten Landschaftszüge, beobachtet seine Umgebung, achtet auf mögliche Geräusche oder Spuren im Gras und versucht das Tier für den perfekten Abschuss zu finden. Hat man dieses entdeckt, kann man es via Fernglas genauer unter die Lupe nehmen und entsprechend markieren oder direkt anlegen und zielen. Wobei, ganz so einfach ist das dann eben doch nicht. Denn theHunter: Call of the Wild wäre ja keine Simulation, wenn man nicht großen Wert auf Realismus gelegt hätte. Und so verfügen die Tiere über einen hervorragenden Geruchssinn und ein tadelloses Gehör. Achtet man beim Anpirschen nicht auf seine Umgebung, kann ein unter dem eigenen Gewicht knackender Ast schon dafür sorgen, dass sich die ach so sicher gewähnte Trophäe in Windeseile aus dem Staub macht.

 

Doch zum Glück werden sowohl die aktuelle Lautstärke der Geräusche, die man selbst verursacht, als auch die aktuelle Windrichtung und der eigene Herzschlag jederzeit in der unteren rechten Ecke angezeigt. Wer genügend Geduld mit bringt, kann also um Gefahrenquellen kriechen oder sich eine neue Richtung aussuchen, aus der man sich dem Ziel nähert. Geduld ist hier ohnehin das Zauberwort. Wer die nicht mitbringt, braucht tatsächlich keine einzige Sekunde mit dem Gedanken zu spielen, sich den Titel zu kaufen.

 

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Denn die meiste Zeit schlendert man gemächlich durch die schön gestalteten Landschaften und sucht nach einer passenden Fährte. Hat man diese gefunden, lässt sie sich auch nochmal genauer betrachten, um schließlich die Laufrichtung des Tieres anzeigen zu können und alle folgenden Spuren des gleichen Wesens in einer blauen Färbung anzuzeigen. Praktisch und erinnert ein wenig an eine abgespeckte Version des Hexer-Sinns aus The Witcher 3, was niemals ein schlechtes Zeichen ist. Aber nicht nur Huf-, Pfoten-, beziehungsweise Trampelspuren weisen in Richtung des Tieres, Exkremente können Hinweise darauf geben, wann das Ziel den Ort passiert hat und wie weit es sich innerhalb dieser Zeit hat entfernen können. Auch das Geschlecht lässt sich oft schon im Vorfeld ausmachen. Und so läuft man von Hinweis zu Hinweis, immer darauf bedacht leise zu sein.

 

Je mehr Erfahrungen man sammelt, umso mehr Hilfsmittel stehen einem auch zur Verfügung. Von unterschiedlichen Waffen wie Bögen, weiteren Gewehren oder Handfeuerwaffen, lassen sich auch Lockmittel, Futter und Köder kaufen. Das hierfür benötigte Geld bekommt man durch das Erlegen von Tieren oder das Erfüllen diverser Nebenaufgaben, die ab und an auf dem Display des virtuellen Smartphones, Huntersmate genannt, erscheinen. Hier gilt es beispielsweise Tiere mal nur zu photographieren oder Rehe davon abzuhalten, ein Feld niederzutrampeln. Es sind kleine Aufgaben, die das sonst sehr trockene Spielgeschehen aber immerhin etwas auflockern.

 

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Aber nicht nur die Ausrüstung lässt sich verbessern, sondern auch die eigenen Fähigkeiten. Hierfür müssen obligatorische Erfahrungspunkte gesammelt werden, die sich in typischer Rollenspielmanier ab einer bestimmten Menge in Skillpunkte transformieren. Diese lassen sich anschließend in verschiedene passive Fähigkeiten investieren, die sich wiederum teilweise noch mehrfach verbessern lassen. Funktioniert tadellos und sorgt dafür, dass man späterhin bei bestimmten Wetterverhältnissen nicht mehr so einfach bemerkt werden kann, seine Beute umgekehrt schon früher erkennt, oder aber länger sprinten und sich generell leiser fortbewegen kann.

 

Man merkt also, dass theHunter: Call of the Wild alles dafür tut, um sich die Bezeichnung einer komplexen Simulation zu verdienen. Und tatsächlich greifen hier die verschiedenen Mechaniken wunderbar ineinander: Von den einsamen, langen, aber durchaus realistischen Laufwegen, dem Entdecken und Verfolgen seiner Beute, schöner Nacht-/Tag-Wechsel, bis hin zum dynamischen Wetter. Auch reagieren Tiere auf Geräusche und Gerüche und lassen sich zwar anlocken, reagieren gleichzeitig aber eher scheu statt doof (wie es in anderen Spielen der Fall sein kann). Der Wind beeinflusst genauso wie ein erhöhter Puls die Ballistik, sprich die Flugbahn eurer Kugel, und kann schon mal über den sofortigen Tod des Tieres oder eine Kräfte zehrende Hetzjagd entscheiden.

 

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Dabei läuft das Spiel überraschend flüssig und sieht sehr gut aus. Gerade die Weitsicht des Titels weiß zu beeindrucken, wobei die Spaziergänge vorbei an Seen oder durch dichte Wälder gerade aufgrund der Licht- und Wettereffekte einen ungemeinen Schauwert haben. Da rascheln Blätter, fällt das Laub und fliegen Insekten wie Vögel vor einem in die Höhe, beziehungsweise pfeifen von den Ästen herab, während man aus dem Augenwinkel noch einen Hasen davon hoppeln sieht. Audiovisuell funktioniert der Titel hervorragend. Die offene Spielwiese wirkt dementsprechend authentisch und lebendig. Leider sind einige Animationen hölzern und viele Objekte gerade bei näherer Betrachtung eher zweidimensional und die Texturen eher schwach.

 

Während man darüber aber noch aufgrund der gelungenen Atmosphäre hinwegsehen kann, trüben einige Bugs und frustrierende Designentscheidungen das Gesamtbild. So kann es schon mal passieren, dass sichere Treffer das Tier lediglich aufschrecken aber nicht verletzen, oder Köder ihren Dienst komplett versagen. Mitunter ist es auch schon mal vorgekommen, dass ich mich an ein Wesen heranschlich, entdeckt wurde und es in absoluter Zutraulichkeit trotzdem immer näher kam, um sich entspannt eine Kugel verpassen zu lassen. Das solche Situationen die Immersion zunichte machen, sollte auf der Hand liegen. Letzteres kam innerhalb meiner Spielzeit aber zum Glück nicht allzu häufig vor.

 

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Ganz im Gegensatz zum Punkt, der hier unter dem Punkt Spieldesign Erwähnung finden sollte: Wer Probleme mit "Walking Simulatoren" hat, sollte den Kauf von theHunter: Call of the Wild überdenken. Wer den Text bis hierher gelesen hat, weiß schon, dass man sich häufig per pedes fortbewegt, sprich die langen Wege zu Fuß überbrückt. Da man innerhalb der abgesteckten Gebiete die Schnellreise immer nur zu freigeschalteten, also entdeckten Jagdhütten nutzen kann, um von dort aus weiter zu spazieren, darf man die Beschreibungen auf der Weltkarte auch durchaus ernst nehmen. Steht an einem Ziel „15 Minuten“ dann dauert die Reise dahin zu Fuß auch knapp 15 Minuten. Immerhin gibt es insgesamt gut 50 Quadratmeilen, die bereist werden wollen und die Hütten liegen oft ehr weit auseinander. Optional kann man auch ein Quad mieten und in Egoperspektive durch die Welt heizen, dass man seine Ankunft dadurch aber schon über Kilometer hinweg ankündigt, sollte klar sein.

 

Wem der Einzelspieler in all seiner Einsamkeit so gar nicht reizt, kann sich allerdings auch im Multiplayer austoben. Hier kann man mit Fremden oder Freunden in bis zu acht Mann/Frau starken Gruppen auf die Jagd gehen und gemeinsam auf bestimmte Trophäen hinarbeiten oder sich in verschiedenen Herausforderungen messen. Hat man Mitspieler gefunden, funktioniert die Verbindung ordentlich und gerade die kompetitive Seite macht gegen Fremde mehr Spaß, als das kooperative Spiel.

 

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FAZIT

 

Ich bin kein Jäger und werde wohl auch niemals einer werden. Das hat mir theHunter: Call of the Wild immerhin sehr eindrucksvoll verdeutlicht. Natürlich kann ich auf der einen Seite aufgrund fehlender Erfahrungen im sogenannten Real Life nicht beurteilen wie realistisch der Titel sich tatsächlich präsentiert und wie gut er die Stimmung einer Jagd einzufangen vermag, aber auf der anderen Seite wirkt alles sehr stimmig und realistisch.

 

Aber diese entschleunigte Art von Spiel, dieses zähflüssige Gameplay ohne jegliche Handlung - die Jagd um der Jagd willen - das ist einfach nicht meine Welt. Allerdings zielt der Titel ja auch nicht auf ein möglichst großes Publikum ab und möchte nicht jeden abholen, sondern nur jene, die beim Durchwandern malerischer Landschaften seufzen und beim Entdecken frischer Spuren plötzlich auf der Hut sind. Und jene, für die der perfekte Schuss oder das Festnageln eines besonders hartnäckigen Ziels, ein Wechselbad aus absoluter Anspannung und Euphorie bedeutet. Das schafft der Titel dann auch wie keine andere aktuelle Jagdsimulation.

 

Also Waidmannsheil all jenen, die sich angesprochen fühlen.

Infos
theHunter: Call of the Wild
theHunter: Call of the Wild Packshot
Publisher: Avalanche Studios
Entwickler: Expansive Worlds
Release: 2017-10-01
Zusammenfassung
Komplexe und äußerst gelungene Jagdsimulation, die durch lebendige und weitläufige Areale überzeugen kann, deren größtes Problem allerdings die Monotonie ist. - 8/10
Positiv
  • Zwei große Spielwelten
  • Zahlreiche Fähigkeiten und Waffen zum Freischalten
  • Starker Sound und optische Highlights
Negativ
  • Lange Laufwege
  • Auf Dauer doch monoton
  • Schwache Texturen

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Toller Test!

 

Top game, stellenweise sogar etwas Nervenkitzel. Ich sag nur Schwarzbär oder Bison 😅 Hab 2009 bereits das f2p theHunter am PC gespielt. Wer was optisch hübsches zum entschleunigen sucht und Geduld mitbringt, macht hier nix falsch. 

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