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Wolfbyte

[Test] - Wolfenstein 2: The New Colossus

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B.J. Blazkowicz, seines Zeichens Widerstandskämpfer und werdender Vater, ging am Ende von The New Order ordentlich auf die Bretter. Nach seinem Sieg gegen Wilhelm „Totenkopf“ Strasse ging es ihm nicht sonderlich gut, doch der wichtige Schlag gegen das Nazi-Regime dieser alternativen Zeitlinie war gesetzt. Im Jahr 1961, nur wenige Monate nach dem Kampf gegen Totenkopf, erwacht B.J. aus dem Koma, an Bord eines U-Boots, genannt Hammerfaust. Dieses von den Widerstandskämfern übernommenes U-Boot der Nazis dient als mobiler Unterschlupf und Einsatzzentrale. Nach ersten Scharmützeln, welche dem angeschlagenen und immer noch verletzten B.J. schwerfallen, sondieren er und seine Widerstandszelle die Lage.

 

Auf dem nordamerikanischen Kontinent, zwischen Milkshakes, Diners, Rockmusik und Farmerleben, herrscht ebenfalls die globale „Ordnung“ des Nazi-Regimes vor, welches zum einen verstreute Widerstandszellen immer wieder zu Kämpfen verleitet, aber auch einheimische Sympathisanten der Diktatur auf den Plan ruft, die bereit sind, Landsleute und Verwandte zu verraten, wenn es ihnen einen guten Stand vor der Führung, in The New Colossus primär durch Irene Engel verkörpert, einbringt. Blaskowiczs Aufgabe ist es nun, diese losen Enden miteinander zu vereinen und einen gut organisierten Widerstand auf seinem Heimatkontinent auf die Beine zu stellen, der Irene Engel und ihre unberechenbaren Pläne zu durchkreuzen.

 

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Mehr brauch es nicht, um die Geschichte voranzutreiben. Ein brutaler, aber in sich zerfressener Held, eine Widerstandsgruppe, die vollgestopft ist mit echten Originalen, Rollkragen-Pullis tragenden, alles opfernden, an Verschwörungen glaubenden Individuen, den man nach nur wenigen Augenblicken in ihrer Gegenwart ihre Existenz einfach nur glaubt. Denen trotz des Fernbleibens von ellenlangen Dialogen und unendlichen langen Cutscenes so viel Tiefgang zugesprochen werden kann, dass man sich als Teil dieser Gruppe wahrnimmt. B.J.s düstere Gedanken, die wie ein Hammer auf die emotionale Verbundenheit mit diesen virtuellen Charakteren niederdonnern und so das Band, welches die geradlinige Geschichte beschreibt, weiter stärken, runden die Glaubhaftigkeit dieser Welt ab.

 

Und dann wäre da noch Irene Engel, die als extremer Kontrast zu ihrem klangvollen Namen wie ein Fluch über B.J. hereinbricht, bis zur letzten Sekunde unberechenbar bleibt, bei jeder Begegnung so unglaublich stark in ihrer Präsenz ist und mit ihrem sadistisch-dominanten Kalkül selbst in ihren eigenen Reihen für Schockstarre und Entrüstung sorgt. Sie hasst B.J. und alles, wofür er steht und wird ihm keine Sekunde Zeit zum durchatmen geben, das wird schnell klar. Es sind eben solche Charaktere, die The New Colossus zu einem hervorragenden Erlebnis machen, welches von der ersten bis zu letzten Sekunde ein unglaublich hohes Maß an Spannung aufrechterhält.

 

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Spannung, das ist ein Zustand, den man auch während des Spielens der Kampagne an sich nicht selten verspüren wird. Da, wo The New Order aufgehört hatte, setzt The New Colossus genau an. Und so präsentiert sich ein zumeist recht geradliniges, gut durchdachtes Konstrukt an kleineren Zentralbereichen, zu denen man gelegentlich wieder zurückkehren kann, von denen unterschiedliche Verschachtelungen ausgehen, die entweder zu Schaltern, Stromversorgungen oder anderen Gründen führen, die einzig und allein dafür da sind, B.J. in den nächsten gut positionierten Kampf gegen Nazis und ihre Maschinen zu werfen. Ob nun fliegende Drohnen, mit hydraulischen Aufsätzen aufgewertete Menschen oder eben die fast schon ent-humanisierten Soldaten, mit ihren unheilvoll grausamen Helmen und dem sterilen, stets korrekten Nazi-Regime-Kleidungsstil, der sich so viel aus gut gebürsteten Stiefeln, Lederjacken und nur wenigen, dafür aber markanten Farben, macht.

 

In ein neues Areal vorzudringen bringt auch meist Offiziere mit ins Spiel, deren ungefähre Position anhand eines Abstandsmessers am oberen Bildschirmrand kenntlich gemacht wird. Fällt B.J. durch rohe Waffengewalt oder fehlende Vorsicht, rufen diese hochrangigen Nazis Unterstützung herbei, bis sie selbst erledigt wurden. So heißt es in den meisten Fällen erst einmal – völlig Wolfenstein-untypisch – „Lage sondieren und weitere Schritte planen“.

Scheitert dieser Plan, weiß sich B.J. Blaskowicz jedoch durchaus zur Wehr zu setzen. Zwar ist der Hüne, je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad, nicht unbesiegbar, aber wendig, schnell und im Umgang mit allerhand Waffensystemen geschult. Neben Standard-Typen, wie etwa Schrotflinten, schallgedämpften Pistolen und Maschinengewehren, lassen sich auch experimentelle Nazi-Waffen aus den Armen den zuvor erlegten Feinden nehmen. So lassen sich etwa viele unterschiedliche Oberflächen innerhalb weniger Augenblicke schmelzen, um so zum einen die Deckungschancen der Feinde zu verringern und zum anderen um diese effizient auszuschalten.

 

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Und wo wir schon bei Effizienz wären. Wolfenstein-Kenner wissen um die unterschiedlichen Modi, mit denen Waffen geführt werden können. Blaskowicz kann entweder eine Waffe führen, die mit R2 abgefeuert wird und dank L2 und dem damit verbesserten Zielen auch für Kopfschüsse genutzt werden kann oder aus größerer Entfernung von Nutzen ist oder eben in den Dual-Modus wechseln, welcher dann zwei Waffen des gleichen Types oder auch komplett andere Waffen in die rechte und linke Hand packt. Nützlich, wenn man beispielsweise gegen nahstehende Gegner mit der Schrotflinte in Aktion treten will, während man mit dem Sturmgewehr in die Ferne ballert. Da sich der Zielmodus mit L2 in dem Falle jedoch nicht nutzen lässt, ist mit einer erhöhten Munitionsverschwendung zu rechnen. Vor allem im Dual-Modus versagt einem – zumeist in hitzigen Gefechten – das etwas klobige Waffenrad. Beide Hände werden über ein Menü organisiert, welches beim laufenden Gefecht zu bedienen ist. Ist auch eine Entscheidung, den Spieler so unter Druck zu setzen, da aber die Bedienung wenig intuitiv ist, eher keine gute.

 

Ansonsten macht der Titel kaum Fehler, die es zu erwähnen gibt. Das Missionsdesign ist stets klar und deutlich, die Kämpfe strotzen nur so vor Action und bieten Dank des abwechslungsreichen Level Designs viele unterschiedliche Herausforderungen und wenn man sich gerade auf ein Areal eingestellt hat, wirft einem das Spiel bereits ein neues Setting vor die Füße, welches dann natürlich wieder komplett anders funktioniert. Reine Single-Player-Shooter sind heutzutage eine Seltenheit und so fällt es hier auch ganz besonders auf, dass sich das Team nicht auf den Lorbeeren von The New Order ausgeruht, sondern einen frischen Ansatz verfolgt und umgesetzt hat. Gelegentlich strauchelt man ein wenig mit der Kollisionsabfrage von Objekten, an denen sich B.J. nur zu gerne aufhängt und die teilweise wirklich hart gesetzten Checkpoints danken einem solche Fehler dann nicht, aber das wäre auch schon alles, was an kritischem Stirnrunzeln zu berichten gibt.

 

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Hat man im Spiel die Augen nach Enigma-Codes offen gehalten, die von Offizieren gefunden, kann man mit diesen die Standorte sogenannter Maschinenkommandanten finden, die sich in zusätzlichen Missionen, die nichts mit dem Hauptspiel zu tun haben, aufstöbern lassen. Spielzeug für Max, welcher erneut mit von der Partie ist, und natürlich zusätzliche Herausforderungen sind der Lohn für diese Mühen. Apropos Sammelgegenstände: Neben den Enigma-Codes hält der Titel auch jede Menge Dokumente bereit, die die Hintergründe näher beleuchten und der 1960er-Nazi-Regime-Welt mehr Tiefe geben.

 

Mit Wolfenstein 2: The New Collossus haben Machine Games erneut alles richtig gemacht. Der Inhalt ist sehr viel mehr, als ein bloßes Einmal-Spiel, die Story kommt mit vielen, authentischen Charakteren und Wendungen daher und das Spielgefühl vermittelt, wie auch schon The New Order, den nostalgischen Charme der Ur-Wolfenstein-Titel, ohne dabei altbacken oder flach zu wirken. Wer eine Action geladene Reise von 10-15 Stunden erleben und dabei nicht auf eine gute Story verzichten möchte, ist hier genau richtig aufgehoben!

Wem dann auch noch eine gute Technik wichtig ist, der wird Wolfenstein 2 in den Himmel loben. Sicherlich, bei absolutem Stillstand und der Ruhe, sich jedes Detail ganz genau anzusehen, nimmt die Geschwindigkeit ein wenig ab, aber selten haben wir so hervorragende Charaktermodelle gesehen, die in den Cutscenes so viel Charakter versprühten. Und nicht weniger oft haben wir solch eine passende, Effekt-starke Inszenierung erlebt, die sich sämtlicher Klischees bedient und sich nicht selten selbst übertrifft. Hinzu kommen die sehr guten, deutschen Synchronsprecher, die ihren Rollen Leben einhauchen und dabei von einer grundsoliden Musikkulisse begleitet werden, die in Actionsequenzen schnell und unnachgiebig ist und in Ruhephasen bedrohlich und subtil daherkommt.

 

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Man liest es aus dem Text heraus: Ich finde Wolfenstein 2: The New Colossus mehr als nur gut! Der Titel hat mich in jeglicher Hinsicht überzeugt. Tolle Geschichte, tolle Optik, toller Sound, klasse Gameplay. Die einzigen Mankos, welche ich identifizieren konnte, sind, dass es so schnell vorbei ist und dass – wie üblich – Symbolik und Termini des dritten Reichs durch generische Eigenkreationen ersetzt wurden, um es für den deutschen Markt nutzbar zu machen. Diese Bevormundung in der heutigen Zeit in einem Medium, welches ganz klar als Kunstform zu identifizieren ist, ist mir suspekt. Aber nichtsdestotrotz, wer in naher Zukunft mal ein paar Abende nichts zu tun hat und eine Beschäftigung sucht, die sich lohnt: Hier ist sie.

 

Infos
Wolfenstein 2: The New Colossus
Wolfenstein 2: The New Colossus Packshot
Publisher: Bethesda Softworks
Entwickler: MachineGames
Release: 2017-10-26
Zusammenfassung
The New Colossus macht genau da weiter, wo The New Order aufgehört hat, und das nicht nur im narrativen Sinne. Eine absurde und dennoch erschreckend reale Nazi-Regime-Zeitlinie, Nostalgie von von der ersten Sekunde an und pure Action. Was will man mehr?
Positiv
  • Klares Level- und Gegnerdesign
  • Hervorragende Charakterdarstellungen
  • Geradlinige, aber packende Story
Negativ
  • Teils unsaubere Kollisionsabfrage
  • Waffenrad etwas unkomfortabel
  • Nicht mehr zeitgemäße Abänderung der Symbolik

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Ich weiß, das Thema Symbole, Kunst etc. ist verwirrend und scheint unklar... wer sich ein für alle mal Klarheit verschaffen will sollte den Gamestar Artikel von letzter Woche durchlesen.

 

Da wird mit Hilfe eines Anwaltes klargestellt, dass die Symbole und Alfons Hinkel in Spielen nicht grundsätzlich verboten sind.

 

Bethesda wollte einfach nur sicher gehen. Aber lest selbst... wirklich interessant:

 

http://www.gamestar.de/artikel/wolfenstein-2-hakenkreuz-verbot-ist-ein-irrglaube,3322561.html

 

Danke für den Test! Kann ich absolut unterschreiben. Habs an wenigen Tagen durchgeballert. Und ich habe noch ein paar Nebenquests offen, die ich sicher noch machen werde.

 

Würde noch etwas Kritik hinzufügen. Ich fand den Schwierigkeitsgrad unausgewogen. Hatte Stellen an denen bin ich fast verzweifelt und verstand die Welt nicht mehr, so schwer wars da vorbei zu kommen und andere da fühlte ich mich fast unsterblich. Alles auf dem mittleren Grad. Die Balance war schlampig.

 

Und beim Zielen über Kimme und Korn verdeckt die Waffe den halben Bildschirm, war teils schwer die Gegner noch zu sehen und den Kopf sauber zu treffen. Aber das wäre Jammern auf hohem Niveau.

 

Die Wolfenstein Serie gehört zu meinen Favoriten bei den Shootern. Alle richtg gut. Mehr davon!

 

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Ich hab The New Order nicht durchgespielt, weil es mir zu altbackend wirkte aber The New Colossus fand ich wirklich gut !

Das einzige was mich gestört hat war, das Trefferfeedback und der teilweise frustrierende Schwierigkeitsgrad.

 

Aber sonst war das Spiel großartig und vor allem für Shooter eigentlich ein Augenöffner, dass es gute Singleplayer Shooter immernoch gibt und ein Stellenwert haben.

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Ich muss zwar erstmal noch den ersten Teil spielen, aber seit dem Ankündigungstrailer von The New Colossus stehen beide Spiele auf meiner To-do Liste. Oldschool Shooter gibts eigentlich viel zu selten im Massenmarkt, wenn man sich das so anschaut.

 

Sehr schön geschriebener Test, danke dafür! Bin ja immernoch Fan von Textreviews, auch wenn viele mittlerweile fast nur noch Videos bevorzugen. Also immer weiter so <3

 

Was die Symbolik angeht... Ich weiß, dass ich damit gegen den Strom schwimme, aber mir ist es vollkommen Latte ob ich jetzt gegen Dreiecke oder Hakenkreuze spiele. Ich erledige den Gegner, den mir der Entwickler vor die Nase stellt, egal in welcher Fassung. Ob jetzt Regime, Nazis, oder Glücksbärchis ist dabei eigentlich vollkommen egal. Mich verwundert eher diese riesig aufgebauschte Diskussion - an dem Spiel ändert sich ja nix bis auf ein paar Namen. Bei Disneyfilmen interessierts auch keinen Vogel ob die Hauptperson jetzt Vaiana oder Moana heißt.

 

Aber wie gesagt egal jetzt, die Diskussion gabs schon gefühlt tausende Male^^

 

Daumen hoch für deinen Test und ich freue mich schon auf dein nächstes Review!

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Top Spiel und auf schwierigster Stufe (nicht "Mein Leben") durchaus knackig.

Habe nach Abschluss des Spiels auch eigentlich noch eine Menge zu tun, aber das muss erst einmal Warten.

 

Für mich auf jeden Fall eines der Highlights 2017.

 

Beim Test finde ich es persönlich besser, wenn er nicht direkt mit der Einleitung, sondern mit einem Bild beginnt. Aber das macht @Wolfbyte ja normalerweise auch .. ;)

 

 

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