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[Special] Visual Novel – Großer Hype in Japan, Nische in Deutschland

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Bekanntermaßen gibt es zwischen der östlichen und westlichen Spielelandschaft gigantische Unterschiede, was Vorlieben von Spielen, Genres und Merkmale der Charaktere angeht. Während wir Europäer sehr auf die grafische Darbietung und das Gameplay unserer Spiele fixiert sind, richten Asiaten im Allgemeinen und Japaner im Speziellen weitaus eher ihre Aufmerksamkeit in Richtung der Protagonisten und des Storytellings. Ganz besonders kann man diese Präferenz erkennen, wenn wir uns ein Genre anschauen, das im Westen kaum Verbreitung findet: Visual Novels, oder, wenn man es ganz genau nehmen möchte, japanische Adventures.

Der Begriff Visual Novel ist den meisten Gamern zwar geläufig, aber nur die Wenigsten wissen, was genau sich dahinter verbirgt. Dieser Frage möchte ich nun ein klein wenig auf den Grund gehen und im Groben erklären, was diese Kunstform ausmacht, wo sie herkommt und wie sich der Markt diesbezüglich hier bei uns entwickelt.

 

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Den Ursprung der Visual Novel in ihrer heutigen Definition finden wir im Jahr 1992, als das japanscshe Entwicklerstudio Chunsoft ihre erste Novelle mit dem Titel „Otogirisō“ für das Super Nintendo (Super Famicom) auf den Markt brachte. Bereits in Otogirisō war es möglich, durch verschiedene Entscheidungen innerhalb des Spiels unterschiedliche Enden und Szenen freizuschalten, was den Wiederspielwert stark erhöht hat. Mit über 300.000 verkauften Einheiten hat der Horror-Thriller die Erwartungen mehr als übertroffen und den Grundstein für eine goldene Zukunft des Genres gelegt. Im Laufe der nächsten Jahre sollten unzählige Nachahmer auf den Markt  kommen, viele davon mit ähnlich großem Erfolg. Zeitgleich hat sich das Genre der Erogē Games (auch als Adult Games bezeichnet) entwickelt, im Prinzip sind dies schlichtweg Visual Novels mit erotischem, bzw. explizit sexuellem Inhalt. Der Erfolg der Novels hat sich im Lauf der späten 90er Jahre permanent weiter gesteigert, nicht zuletzt durch die vermehrte Verbreitung von Handheld-Konsolen wie zuletzt der PlayStation Vita, sowie der Möglichkeit, jetzt auch auf Smartphones entsprechend umfangreiche Inhalte darzustellen.

Um die Jahrtausendwende hat dann der große Boom der Visual Novels begonnen und große Franchise und Namen hervorgebracht, die mittlerweile auch im Westen angekommen sind. Die bekanntesten Namen sind dabei Ace Attourney, Higurashi no Naku Koro Ni, School Days, Fate/Stay Night, Steins;Gate oder auch Clannad – durch die Bank Namen, die sich gerade auch im Anime-Bereich größter Beliebtheit erfreuen. Trotz dieser großen Franchieses und berühmten Marken fristen Novels zumindest in Europa eher eine Nischenexistenz, und werden im Vergleich zu Japan sehr stiefmütterlich behandelt. Im Land der aufgehenden Sonne machen diese etwa 70% des Spielemarktes aus, während hierzulande kaum jemand etwas mit dem Begriff anfangen kann!

 

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Der Aufbau und das Spielprinzip von Visual Novels sind dabei denkbar einfach: Die Spiele bestehen aus in der Regel im Anime-Stil gezeichneten Standbildern, die die im entsprechenden Abschnitt agierenden Charaktere zeigen und dazugehörigen Textpassagen. Diese wiederum werden entweder als Texttafeln eingeblendet (Diese Praxis ist heute noch am weitesten verbreitet) oder werden von Synchronsprechern eingesprochen. Der Spieler hat dabei lediglich die Möglichkeit, sich an entsprechenden Stellen im Verlauf der Handlung durch Entscheidungen einzubringen und den Verlauf der Geschichte entscheidend zu prägen. Es findet kein aktives Eingreifen des Gamers, wie z.B. bei westlichen Adventure-Games statt. Animationen beschränken sich – wenn überhaupt vorhanden – darauf, dass die im Standbild gezeigten Charaktere sich ein wenig bewegen oder dass sich deren Gestiken und Körperhaltungen in Form von Bildern ändern. Komplett gerenderte Animationen sind nur sehr seltene Ausnahmen. Dieser minimalistische Stil soll einerseits den Fokus des Spielers auf die Handlung und Charaktere lenken, und zum anderen zum möglichst schnellen und günstigen Produzieren dieser Titel beitragen. Am ehesten lassen sie sich mit Spielen wie Life is Strange vergleichen, wobei dort die Standbilder und Textfelder durch vollanimiertes Videomaterial und Synchronisierung aufgepeppt wurde.

Die meisten Visual Novels wurden seinerzeit und werden noch heute für den PC produziert und kommen über Portierungen auf die meisten erhältlichen Konsolen.

 

Jetzt wissen wir also, was mit den japanischen Text-Adventures auf sich hat. Aber wie sieht es mit Europa, bzw. mit dem deutschen Markt aus? Warum bekommen wir so wenig von diesen Spielen überhaupt zu Gesicht, während auf der anderen Seite der Welt eine regelrechte Schwemme damit stattfindet?


Die Frage lässt sich relativ leicht beantworten: Die Nachfrage an interaktiven Büchern – so neige ich oft dazu, sie in Kürze zu umschreiben – ist sehr gering. Sei es, weil wir einfach nicht an die Art des Storytelling gewöhnt sind, oder weil uns das Genre einfach zu fremd ist. Zusätzlich erschwert der schlechte Ruf des Genre, der sich aufgrund von Vorurteilen bezüglich Eroge Games verbreitet hat, den Zugang für den Durchschnittsspieler.

Zu geringe erwartbare Umsätze machen Portierungen und Übersetzungen für den westlichen Markt unwirtschaftlich, und verhindern die Lizenzierung vieler sehr interessanter Titel. Die meisten Visual Novels die uns dann doch erreichen – man nehme hier die Ace Attourney Reihe oder Steins;Gate als Beispiel, welches in naher Zukunft einen neuen Ableger auch in Europa bekommt – sind bereits im Vorfeld sehr berühmte Vertreter ihrer Zunft. Entweder dadurch, dass viele Fans auf dubiosen Wegen an eine entsprechende Kopie der Spiele gelangt sind und dafür hierzlande werben, oder das entsprechende Franchise ist durch Anime- und Mangaverkäufe bereits sehr populär geworden und die zu erwartenden Absatzzahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

 

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Zusätzlich geht der Publisher Spike Chunsoft den neuen, aber auch riskanten Weg, einige Titel mehr oder minder ohne Erwartungen bei uns zu publizieren – in der Hoffnung, dass Visual Novels in Zukunft auch bei uns mehr Anklang finden.

 

Gerade auch für die Let’s Play Szene eignen sich Visual Novels sehr gut zum Präsentieren. Zum Einen sind diese nicht so hektisch und anstrengend für den Streamer, der sich neben seiner Präsentation noch aufs Spielen konzentrieren muss, und zum Anderen wird das Spielerlebnis beim Zuschauen im Vergleich zum selbst spielen kaum gemindert. Ausserdem können Streamer so eine interaktive Komponente in ihre Übertragungen einbinden, z.B. indem sie ihre Community live über Entscheidungen im Spiel abstimmen lassen.

 

Wir dürfen also gespannt zuschauen und durch unseren Geldbeutel mitbestimmen, wie sich dieses meiner Meinung nach stark unterschätzte Genre in Deutschland entwickelt. Von meiner Seite bleibt nur noch eines zu sagen: Springt über euren Schatten und gebt den Spielen eine Chance! Ihr bekommt vielleicht kein Bombast-Spektakel wie Horizon: Zero Dawn geboten, aber die Storys haben es zum Teil mehr als verdient, gelesen und erlebt zu werden.

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Schöner Artikel, und voll meinen Nerv getroffen, da ich auf diese Art von Spielen voll abfahre. 

 

Würde mich sehr freuen, wenn wir mehr davon bekommen, und das Genre mal etwas aus der Nische heraustreten kann.

 

Mein absoluter Favorit ist das Spiel namens „Root Letter“. Das war meine Einstiegsdroge und ist in meiner Rangliste bislang ungeschlagen!

 

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich dann mehr auf die halbwegs realistischen Visual Novels stehe, Root Letter schlägt in Richtung Mystery, bleibt aber meistens realistisch.

 

Die ersten beiden Zero Escape Titel haben es mir auch angetan, besonders 999. Mit dem zweiten konnte ich schon weniger anfangen und an den dritten Teil komme ich leider überhaupt nicht ran.

 

Auf meiner Festplatte schlummern noch Steins;Gate Zero und Chaos Child. An die werde ich mich beizeiten mal ran wagen.

 

Allen, die mal einen Blick riskieren wollen, würde ich Root Letter absolut ans Herz legen!

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Schöner Bericht, aber ich denke es gibt mehrere Gründe warum es hier nicht beliebt ist 

1. ist alles wenn dann nur auf englisch

2. Die Preise sind schon leicht utopisch, also das man fast den Vollpreis dafür bezahlt und das sehen viele nicht ein für den Inhalt den sie geboten bekommen... Ich würde auch nicht mehr als 20 Euro ausgeben 

3. Dieses dämliche Klischee von diesen Unwissenden... Ist alles Zeichentrick, also automatisch für Kinder, obwohl die sich nicht im geringsten mit Anime auseinander setzen oder wenn es nicht das ist, dann heißt es man ist pervers wegen diesem Ecchi Anteil und wer sowas guckt ist sowieso ein Freak... Naja mir ist das alles egal, sollen die doch denken, nur nervt es jedes mal wenn ich mich mit anderen darüber unterhalte und die es nicht verstehen... 

 

Habe bisher auch nur Root Letter gezockt, weil ich die Animationen so schön fand und Soundtrack und Story und wollte sowas eh mal testen wie das so ist und ich muss sagen, ich fand Root Letter toll gemacht, hatte ca 20 Stunden gebraucht bis ich Platin hatte, alles schön durch gelesen, aber man muss sich auch auf sowas einlassen

 

Habe auf der Platte zwar noch Steins Gate Zero, Psycho Pass oder Chaos;Child, aber das war es auch schon, finde die Preise einfach zu hoch für Novellen

 

Für die Japaner ist es toll ja mit PS Vita, weil die eh kaum Zuhause und nur am arbeiten und unterwegs sind, denke deswegen ist das so extrem beliebt dort, weil Bücher denen wohl zu langweilig sind, aber damit hab ich mich nicht befasst, ist nur ne Vermutung... Und unter Platin Hunter sind Novellen besonders stark in Verruf, weil sich die meisten nur mit Guide da durch klicken ohne sich mit dem Spiel auseinander zu setzen, das kann man besonders in der Weltrangliste beobachten, die die oben sind zocken fast nur sowas und dann sind die in unter 1 Stunde fertig und dann noch mehrere Versionen... Alleine Root Letter hat 10 verschiedene 

 

Wenn man es versteht ok, aber ich würde kein Spiel spielen wo ich nichts verstehe, also wenn dann sollten mindestens englische Untertitel dabei sein

 

 

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Ich sehe das auch so wie RorOnoa_ZorO.

Ich bin seit es die PS4 gibt nicht mehr Grafik geil. Mir genügt das was die Aktuellen Konsolen können. Storytelling wird bei uns sehr vernachlässigt und daher das bei uns in Europa so schwach ist gibt es eben diese Perlen wie The Witcher. Weil die sich darauf verstehen etwas zu erzählen.

Eine Visual Novel jedoch hab ich selbst noch nicht gespielt. Hab aber kein Problem damit wenn ich nur entscheidungen treffen darf und mich nicht bewegen kann.

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Was viele westliche Gamer abschreckt, ist wohl der Aspekt, dass es ja im Grunde reine Lesespiele sind und die meisten Leute ihre Konsole nicht zum Lesen anwerfen. Mit zumindest englischer Synchronisation würde ich auf jeden Fall mehr Visual Novels spielen, aber dass sich der Aufwand für die Entwickler am Ende nicht rechnet, ist mir auch klar.

 

Mal sehen, in Zukunft werde ich mir wohl Root Letter und Stein Gate anschauen.

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Am 1.4.2018 um 19:13 schrieb Dante182:

Mein absoluter Favorit ist das Spiel namens „Root Letter“. Das war meine Einstiegsdroge und ist in meiner Rangliste bislang ungeschlagen!

 

ja root letter ist sehr schön gemacht und das ende doch nicht so traurig wie erwartet hat mich echt überrascht.

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vor 9 Stunden schrieb platti:

 

ja root letter ist sehr schön gemacht und das ende doch nicht so traurig wie erwartet hat mich echt überrascht.

Kommt drauf an welches Ende =) sind ja 5 Stück, mal Happy End, mal traurig oder total gestört 

 

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Also ich habe vor ein paar Monaten mal eine Visual Novel ausprobiert. Das ganze hat mich aber überhaupt nicht angesprochen. Ein Spiel ist es nicht, da man nur am lesen ist, also muss ich es mit einem Buch vergleichen. Jetzt ist aufgrund der Bilder die Erzählart ganz anders als in einem Buch und sagt mir persönlich viel weniger zu. Mich hat der Titel sogar so gelangweilt, dass ich nach 1 Stunde nicht mehr "gespielt" habe. Da gehe ich persönlich lieber wieder zu den Büchern.

 

Ach ja wen es interessiert, es war die VN ChaosChild auf der Vita.

 

Aber Vielfalt finde ich persönlich gut und es kommen doch inzwischen einige VN auf den europäischen Markt.

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Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass storybasierte Games in Europa prinzipiell nicht gefragt sind. Die Titel von Quantic Dream finde ich genial, ebenso den einen oder anderen Titel, der in Richtung "Walking Simulator" geht. Aber diese Visual Novels gehen halt nochmals einen Schritt weiter, weil es oftmals wirklich nicht mehr als bebilderte Bücher sind. Aber auch das allein ist nicht der Hauptgrund. Der Hauptgrund ist was da erzählt wird und wie es erzählt wird. Da sind Welten zwischen unserer Kultur und der japanischen. Für den europäischen Geschmack sind halt die Stories oftmals zu abgedreht. Und ob man es wahr haben will oder nicht, spielen die massiv übertriebenen kindlichen Charaktere auch eine entscheidende Rolle. Ich glaube das muss man nicht schönreden, dass die Japaner einen (zu) unverkrampften Umgang pflegen diesbezüglich (ich benutze hier jetzt das böse "P"-Wort nicht). Das hat auch gar nichts mit Klischees zu tun, das ist unbestritten und jeder der schon mal in Japan war, weiss was ich meine. Dass es in den Geschichten ab und zu auch um (angeblich) tiefgreifende Stories oder erwachsene Themen geht, hat mit dieser Thematik gar nichts zu tun und taugt nicht als Argument. Es geht ja hierbei um die Darstellung und nicht um den Inhalt. Aus den genannten Gründen wird das in Europa so oder so eine sehr kleine Nische bleiben.

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