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Da ist es schon wieder passiert! Ich hole nur eine einzelne Socke aus der Trommel der Waschmaschine und verzweifele auf der Suche nach dem dazugehörigen Partner. Natürlich bleibt dieser unauffindbar. Klar, Strümpfe lösen sich ja einfach auf...!? Und als ob das nicht schon genug wäre, scheint es auch, als hätte ich meinen Haustürschlüssel verlegt. Und egal wie oft ich die Wohnung auch auf den Kopf stelle, egal an welchen eigenartigen und unwahrscheinlichen Orten ich auch suchen mag (Stichwort Backofen), er bleibt verschwunden. Wer eine solche Erfahrung auch schon einmal machen musste und sich immer noch fragt, wohin diese verlorenen Dinge gehen, für den hat das dänische Entwicklerstudio Throughline Games eine ebenso magische wie schöne Antwort in Form des Puzzle-Plattformers Forgotton Anne parat. Was der Titel sonst noch zu bieten hat, soll der folgende Test klären.

 

 

Verlorene oder vergessene Dinge, wie beispielsweise die eingangs erwähnten Socken, aber auch Uhren, Mützen oder zurückgelassenes Mobiliar landen irgendwann in einer magischen Welt, das Gefilde genannt. Dort erwachen sie dann zum Leben und werden in die Gesellschaft integriert. Egal ob Fotograf, Türsteher oder Fabrikarbeiter, es gibt für jeden eine Position. Und ohnehin arbeiten alle auf ein gemeinsames Ziel hin: Die von Meister Bonku erbaute Ätherbrücke steht kurz vor der Fertigstellung und soll es allen Bewohnern der Welt ermöglichen in ihre Heimat zurückzukehren, also dorthin, wo sie dereinst vergessen wurden.

 

Neben Bonku handelt es sich bei der Heldin Anne übrigens um das einzige weitere menschliche Wesen im Gefilde. Als rechte Hand ihres Ziehvaters und sogenannte Hüterin sorgt sie dann dort auch für die Sicherheit. Nachdem eines Morgens Rebellen strategisch wichtige Punkte angreifen und die Fertigstellung der Ätherbrücke zu sabotieren, liegt es an Anne die Schuldigen zu finden und weitere Anschläge zu verhindern. An dieser Stelle übernimmt der Spieler auch die Kontrolle über die Hüterin und die Handlung kommt ins Rollen. Viel mehr soll auch nicht verraten werden, nur so viel noch, dass die Geschichte innerhalb der knapp acht Stunden Spielzeit immer interessant bleibt und spannend erzählt wird, aber gerade die Figuren eine schöne Entwicklung vollziehen.

 

Und das ist umso beindruckender, wenn man bedenkt, dass es sich bei den meisten NPCs beziehungsweise Nebenfiguren, denen man begegnet, um Gegenstände wie Schuhe, Schals, Stehlampen und sogar Schießeisen handelt. Die Entwickler haben so ziemlich alle Charaktere mit genügend Persönlichkeit, aber auch Hintergrundgeschichte ausgestattet, um sie auch jenseits ihrer Äußerlichkeiten greifbar zu machen. Das ist ein kleines Kunststück für sich, auch wenn viele Wesenszüge zum Zweck humoristischer Einlagen überzeichnet dargestellt werden. Störend empfindet man das allerdings zu keiner Zeit, zumal im Rahmen der Handlung ohnehin immer wieder geschickt mit dramatischen und komödiantischen Einlagen balanciert wird. Dass zudem alle Gespräche voll vertont sind und professionell eingesprochen wurden, unterstreicht nochmals den cineastischen Charakter von Forgotton Anne.

 

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Das hat dann natürlich auch Auswirkungen auf das Gameplay des Titels. In der Rolle Annes bewegt man sich nämlich meist vor den handgezeichneten, zweidimensionalen Hintergründen von links nach rechts - und umgekehrt - muss sich an verschiedenen Geschicklichkeitseinlagen, sprich Jump'n'Run-Passagen, versuchen und kleinere Rätsel lösen, um weiterzukommen. Die Steuerung ist dabei leider etwas unpräzise, weswegen es durchaus auch mal vorkommen kann, dass man abstürzt und die entsprechende Passage erneut versuchen muss. Eine Art virtuellen Bildschirmtod braucht man hier allerdings genau so wenig fürchten wie einen Game Over-Bildschirm - spielmechanisch ist man hier immer auf der sicheren Seite.

 

Scheitert man an einer Stelle, macht man direkt dort weiter und muss die erforderlichen Sprünge eben erneut absolvieren. Das Fehlen einer zusätzlichen Bestrafung passt dann auch wieder zum eher narrativen Charakter des Spiels. Einen Schwierigkeitsgrad kann man dementsprechend auch gar nicht erst auswählen. Dennoch wird es manchmal etwas kniffliger. So kann Anne zusätzlich auf mechanische Flügel zurückgreifen, die bei Bedarf via Knopfdruck ausgeklappt werden können. Das eignet sich für besonders hohe oder weite Sprünge. Allerdings können diese nicht jederzeit benutzt werden. Und hier kommt ein weiteres Element ins Spiel, das einen Großteil des Designs bestimmt. Als Hüterin besitzt Anne nämlich einen sogenannten Arca-Handschuh, der die Anima genannte Lebensenergie des Gefildes speichern kann. Da diese Energie auch jeden Vergessenen durchströmt und aus eben diesen von Anne destilliert werden kann, fügt sich auch dieses spielerische Element perfekt in die Handlung ein.

 

Daraus ergeben sich nämlich nicht nur Situationen, in denen man als Spieler gezwungen ist ganz bewusste Entscheidungen zu treffen, die über ein simplifiziertes Dialogsystem gewählt werden und Auswirkungen auf einzelne Schlüsselszenen der Story haben können, sondern es lassen sich auch die bereits erwähnten Flügel nutzen. Zusätzlich kann man durch einen Druck auf die Vierecktaste in einen speziellen Sichtmodus wechseln, in dem sich Anima-Behälter aber auch -Stromkabel und Schalter deutlich von der Spielumgebung abheben. Um voranzukommen ist dieser dann mindestens ebenso notwendig wie die metallenen Schwingen, denn sehr oft müssen damit verbundene Rätsel gelöst werden, um Türen zu öffnen oder andere Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

 

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Häufig müssen Anima-Stromkreise manipuliert oder aktiviert werden, um weitere Schalter oder Anlagen zugänglich zu machen, beziehungsweise Aufzüge oder Plattformen in Bewegung zu setzen. Diese Rätseleinlagen gestalten sich niemals zu kompliziert oder gar wirklich schwierig, aber die Lösungen sind auch nicht immer gleich ersichtlich. Das liegt allerdings auch an der unausgewogenen Hilfestellung des Spiels. Dennoch wird man niemals an einen Punkt kommen, an dem man partout nicht weiter weiß. Dazu ist dann der Bewegungs- oder Aktionsradius zu sehr eingeschränkt und die Möglichkeiten dementsprechend überschaubar. Abgesehen von dieser wiederkehrenden Aufgabenstellung lockern kleinere Logikrätsel das Geschehen immer wieder auf.

 

Grafisch und technisch ist Forgotton Anne eine Klasse für sich. Die handgezeichneten Hintergründe sowie die Haupt- und Nebenfiguren sind allesamt in einem wunderschönen Anime-Look gehalten und die Animationen meist flüssig aber immer toll anzusehen. Die Reminiszenz an das japanische Studio Ghibli ist nicht nur hier absolut gelungen. Und neben den abwechslungsreichen Schauplätzen sind es dann oft die kleinen Details, die zu gefallen wissen. Zum Beispiel wenn sich Anne nach einem Sturz beinahe beiläufig den (nicht sichtbaren) Staub vom Kleid wischt. Das sieht einfach toll aus. Ohnehin kann ich es nicht oft genug betonen: Das hier ist kein Titel im Cel Shading-Gewand, der versucht einen Anime zu imitieren, das von Throughline entwickelte Spiel ist zumindest optisch ein Anime, den man in die richtige Form gedrückt und dem man allzu häufige Perspektivwechsel einfach untersagt hat, um ein Spiel daraus zu machen.

 

Das unterstreichen dann auch die seltenen, aber toll gelungenen Anime-Zwischensequenzen, die ab und an den Spielfluss unterbrechen. Davon hätte es gerne mehr geben dürfen! Und da wir gerade das Wort "streichen" im Raum stehen haben: Der Soundtrack wurde von der Kopenhagener Philharmonie eingespielt und trägt viele Momente auf subtilen Tönen. Nur selten spielt sich der Score in den Vordergrund, aber er passt sich immer hervorragend ins Gesamtbild ein. Bei einigen Gebietswechseln kippt die Grundstimmung zwar allzu hart, aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

 

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FAZIT

 

Die Geschichte von Forgotton Anne hatte mich zugegebenermaßen schon aufgrund der Grundprämisse. Eine magische Welt, in der all die Dinge landen, die wir vergessen oder verlieren, nur um dort ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln - das klingt doch schon sehr nach Studio Ghibli und auch ein wenig nach Pixar. Dazu überzeugten auch die ersten Screenshots und bewegten Bilder. Also nein, ich war gewiss nicht unvoreingenommen als mir der Test angeboten wurde. Man kann es aber auch ein wenig kritischer formulieren und sagen, dass ich unbewusst eine hohe Erwartungshaltung eingenommen hatte. Dass diese dann teilweise noch übertroffen wurde, spricht aber für den von Throughline Games entwickelten Titel.

 

Natürlich hätten es mehr vollanimierte Zwischensequenzen sein können und auch die Steuerung zeigt bei manchen Sprüngen ihre programmierte Tölpelhaftigkeit. Die deutschen Untertitel sind zwar generell gut gelungen, transportieren aber nur selten den Wortwitz. Manche Wendungen innerhalb der Handlung sieht man schon kommen, da teasert das Spiel sie nicht mal mehr an und auch viele der Entscheidungen, die man trifft, haben nur eine äußerst geringe Tragweite. Das alles kann man kritisieren, sollte man auch und habe ich spätestens hiermit getan. Das ändert aber nicht daran, dass Forgotton Anne ein wunderbar rundes Spiel ist. Kein perfektes, das nicht, aber eines, das spielerisch und erzählerisch motiviert, aus kreativer Sicht glänzt und einen tollen Gesamteindruck hinterlässt. Und vor allen Dingen ist es eines, das ich nicht so schnell vergessen werde.

 

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Infos
Forgotton Anne
Publisher: Square Enix Collective
Entwickler: ThroughLine Games
Release: 2018-05-14
Zusammenfassung
Forgotton Anne ist ein charmanter Puzzle-Plattformer mit toll erzählter Geschichte und schönem handgezeichneten Look. Die etwas träge Steuerung kann stören, die gut gelungenen Rätseleinlagen gleichen das aber locker aus - 8/10
Positiv
  • Toll designte Spielwelt und Charaktere
  • Gelungene Rätseleinlagen...
Negativ
  • Unpräzise Steuerung
  • ...aber nur wenige unterschiedliche Arten

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toller test der nur unterstreicht was ich im allgemeinen über das spiel vernommen habe. :)

 

sehr interessantes konzept. mal ein spiel ohne kämpfe und ohne mögliche spielertode. dafür eine starke, emotionale geschichte und wunderschöne künstlerische gestaltung. hab bis jetzt überall nur gutes über das spiel gehört. ein rudimentäres, einfaches metroidvania im studio ghibli gewand, mit tollen, nicht zu langatmigen rätseln. werde ich mir auf jeden fall ansehen, sowas ist mir zur zeit auch viel lieber, als überproduzierte triple a games. wäre sicher ein ps+ titel-kandidat, aber ob ich so lange warten kann? XD

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Danke für den Test. Ich lese immer gerne, was Du schreibst :thumbup:

 

@ Forgotton Anne

Liest sich auf jeden Fall sehr interessant. Gerade die Idee zur Geschichte klingt vielversprechend.

Ich werde es allerdings erst einmal auf meine Wunschliste packen. Es läuft ja nicht weg.

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Schön ge- und beschrieben. Hätte wieder mal nicht von einem Spiel mitbekommen, ohne den Test. Ich schreib es mir auch mal auf meine Wunschliste, wird dann geholt, wenn gerade etwas Luft ist. Vielleicht st es bis dahin auch im PS+ aufgetaucht, und ansonsten wirds halt gekauft.

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