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[Serien-Review] Marvels Luke Cage oder: Wie Blacksploitation ins Marvel-Universum passt

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Marvel hat mit seiner Netflix-Partnerschaft eine ganze Reihe von Superhelden die Chance gegeben, die sonst eher im Hintergrund stehen. Zu diesen gehört auch Luke Cage, ein Afroamerikaner aus Harlem, der durch ein schief gelaufenes Experiment in einem Gefängnis zu dem gemacht wurde, was er heute ist: Den Helden von Harlem, wie er mittlerweile in dem Stadtviertel von New York genannt wird, das er selbst als seine Heimat bezeichnet. Hier ist er aufgewachsen und hat den rauen Ton der Straße bereits von Kindesbeinen an miterlebt. Nach seinem Gefängnisaufenthalt kommt er zurück, ist nun mit nahezu undurchdringlicher Haut und extremer Körperkraft ausgestattet und hat es sich zurAufgabe gemacht, „sein“ Viertel von der Gewalt- und Drogenherrschaft der ortsansässigen Gangsterbande zu säubern. Interessanter Weise wird sein Name aus den Comics, Powerman, nicht in der Serie genannt.

 

Die Serie kommt in einem sehr geerdeten, ruhigen Ton daher und zeigt direkt in den ersten Minuten der ersten Episode, wo es langgehen wird. Wir erleben einen ruhigen, aber knallharten Luke Cage, der mit der Coolness eines Ghettojungen durch die Straßen zieht und böse Buben jagt und unschädlich macht. Dabei hinterlässt er unzählige Verletzte und zerstörte Gebäude zurück. Diese ruhige Coolness wird auch im Laufe der gesamten Serie weiterhin beibehalten, sodass sie einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer hinterlässt, aber auch irgendwann ein wenig den Bezug zur Realität verliert. Luke zeigt eine Beharrlichkeit, als hätte er permanent einen Masterplan in der Hinterhand, was aber in dieser Form schlichtweg nicht der Fall ist. Im Gegenteil, lässt er sich teilweise eher von den Situationen mitreißen und reagiert, statt selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Selbst zum großen Finale hin, als er einen Plan hat, fühlt es sich eher so an, als würde er nur von außen gesteuert, statt die Initiative zu ergreifen. Abgesehen von dieser gefühlten Fremdsteuerung finde ich die Story relativ nahe an dem, was man von einer klassischen „Ex-Gangster wird geläutert und räumt mit seiner Vergangenheit auf“ Geschichte erwarten kann. Für eine Marvel-Serie eine gelungene Abwechslung, aber eben auch nicht viel mehr. Ich finde es schade, dass die Serie zu diesem Zeitpunkt auch nicht viel mehr ist, als die aufgeblasene Origin-Story von Luke Cage, um ihn für The Defenders vorzubereiten. Der Übergang zwischen Staffelfinale und Start der neuen Serie stellt dabei dann sogar nochmals einen eigenen Schnitt dar, der bei mir persönlich einige Fragen aufwirft – aber dazu an anderer Stelle mehr.

 

Die Besetzung der Serie ist recht gut gelungen und sehr passend gestaltet. Ähnlich wie frühere Blacksploitation-Filme, zu denen ich Luke Cage im erweiterten Sinne dazuzählen möchte – ist nahezu der gesamte Cast dunkelhäutig, bzw. schwarz. Das soll an dieser Stelle weder negativ noch positiv gemeint sein, findet lediglich Erwähnung um zu betonen, dass die Wahl der Schauspieler dem Handlungsort, Harlem, schlichtweg perfekt passend und auf den Punkt ist. Mike Colter als Luke macht einen guten Job, er verkörpert den Mann mit der Eisenhaut mit einer Coolness und Ruhe, die ich sonst nur von Hochkarätern wie Samuel L. Jackson kenne. Dazu bringt er eine Prise Verschmitztheit mit in den Charakter, die auch in den Comics des Öfteren gerne zum Tragen kommt. Sein Wandel von „Ich möchte nur in Ruhe leben“ zu „Ich bin der Held von Harlem“ ist nachvollziehbar, gerade auch weil man im Verlauf der Handlung seine Beweggründe zu sehen bekommt.

Misty Knight, die vermutlich im weiteren Franchise-Verlauf noch eine größere Rolle spielen wird, ist mit Simone Missick auch perfekt besetzt. Man kauft ihr gerade zum Schluss hin die verzweifelte Polizistin, die mit aller Macht ihren Prinzipien treu bleiben will, zu jeder Zeit ab. Auch ihre Performance in The Defenders lässt keine Zweifel aufkommen. Für die Zukunft in den Serien erwarte ich viel von ihr.

 

Im Gegensatz zu den großen Kinoproduktionen gelingt es Marvel hier, Antagonisten mit Tiefgang und Charakter zu entwickeln. Cottonmouth, gespielt von Mahershala Ali, entwickelt sich zu einem derartigen (sorry für den Ausdruck) Drecksack, dass ich ihm zum Schluss hin mit vollster Hingabe den Tod wünsche. Diesmal schafft man es, wirklichen Hass auf die Bösewichter aufzubauen und diese auch wirklich bedrohlich und böse wirken zu lassen – sogar mit Motivation und nicht nur des Böse seins wegen. Jeder größere Charakter aus der Riege von Lukes Gegenspielern bekommt die Zeit, sich selbst einzuführen, seine Beweggründe zu erläutern und eine Beziehung zur Stadt aufzubauen. Alfre Woodard gebührt in diesem Zusammenhang nochmals eine extra Erwähnung. Sie verkörpert mit Mariah Dillard die eigentliche treibende Kraft, die Harlem weiter in den Dreck ziehen will – und ist dabei derart von ihrer Idee überzeugt, dies alles zum wohl ihres Viertels zu tun, dass man schon mit ihr mitfiebert, obwohl sie im Grunde das eigentliche Böse darstellt. So müssen Gegner von Superhelden aussehen – und das sogar ohne die ganze Welt oder das Universum zu bedrohen!

 

Alles in Allem lässt sich festhalten, dass wir mit Marvel’s Luke Cage eine Serie im Stile des Blacksploitation-Kinos bekommen, die durch ihre ruhige Coolness besticht und mit bodenständiger, körperlicher Action und einer zumindest halbwegs interessanten Story daherkommt. Für ein verregnetes Wochenende eignen sich die dreizehn Episoden perfekt, um die Zeit zu überbrücken. Fans des Charakters Luke Cage kommen definitiv auf ihre Kosten, auch wenn so manches Detail nicht zu 100% aus der Vorlage übernommen wurde. Wer gar nichts mit Marvel und/oder Heldenserien anfangen kann und hochtrabende cineastische Kunst auch im TV sucht, sollte sich allerdings zweimal überlegen, ob er die Serie schauen möchte.

Ab dem 22. Juni wird auf Netflix die zweite Staffel der Serie ausgestrahlt, sodass hoffentlich einige offene Fragen aus dem Übergang zwischen Luke Cage und The Defenders, sowie die weiterhin offenen Handlungsstränge aus der ersten Staffel zusammen und zu einem Ende geführt werden.

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