Jump to content
PS4-Magazin auf allen Kanälen - Folge uns!
PS4-Magazin.de
Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Daniel Bubel

[Test] - Prey: Mooncrash

Recommended Posts

prey_mooncrashfaso4.jpg

 

Vor etwas mehr als einem Jahr veröffentlichten Bethesda und Arkane Studio mit Prey das Reboot eines ursprünglich 2006 für den PC und Xbox360 erschienen Ego-Shooters. Das sorgte einerseits zwar für nicht nur positive Stimmen, da von den ursprünglichen Einflüssen bis auf den Namen nichts mehr zu erkennen war. Andererseits schaffte es das Entwicklerstudio aufgrund des Gameplays bei Kritikern wie Genrefans zu punkten. Ob die  überraschend angekündigte Erweiterung Prey: Mooncrash das ebenfalls schafft, soll der folgende Test klären.

 

 

 

Irgendjemand hat einmal gesagt, oder es an irgendeiner Stelle geschrieben, dass Arkane Studio die besten Spiele macht, die niemand spielt. Vermutlich war es ein englischsprachiges Review, klingt doch "the best games no one plays" um einiges besser, beziehungsweise weniger sperrig. So oder so ist da aber leider etwas Wahres dran. Gefühlt - und damit beginnen wir diesen Bericht auf einer eher subjektiven Note - verkaufen sich deren Spiele gerade ausreichend genug, um eine treue Fanbase aufzubauen und Bethesda dazu zu bewegen, mehr Geld in weitere Projekte zu investieren. Ob das aus finanzieller Sicht betrachtet clever ist oder nicht, sei mal dahingestellt, aus unserer Sicht, die wir als Spieler von den Werken profitieren, ist es aber eine gute Einstellung des Publishers.

 

Denn eine Stärke von Arkanes Spielen ist das grandiose Level- und Spieldesign, das - auch objektiv betrachtet - mit dem zu dem Besten gehört, das man auf dem Spielemarkt finden kann. Spieler, die das zu schätzen wissen, freuen sich demnach auch meist auf einen Nachfolger oder Erweiterungen zu etablierten Marken. Zumindest wenn sie diese dann auch genießen können. Während Dishonored: Der Tod des Outsiders glücklicherweise als Standalone-DLC veröffentlicht wurde, quasi als eigenständiges Spiel, geht man mit Prey: Mooncrash einen anderen Weg. Wer den Titel spielen möchte, braucht das im letzten Jahr veröffentlichte Hauptspiel. Und wer das nicht (mehr?) besitzt, muss es sich eben nochmals zulegen. Das ist schade, denn bei einer UVP von 19,99 € für die Erweiterung, werden so insgesamt mindestens mal 35 bis 40 € fällig - zumindest wenn das Hauptspiel im Angebot ist.

 

Was nun klingen mag wie Kritik am Konzept des DLC als solchen, ist keine. Im Vordergrund der Kritik steht vielmehr der Fakt, dass man länger als ein Jahr wartete, um diesen anzukündigen und zu veröffentlichen. Und das ist bei aller Liebe für ausgereifte und vollwertige Erweiterungen dennoch zu lange. Hätte ich Prey nicht digital gekauft, ich würde an dieser Stelle nicht darüber berichten können, was der Mooncrash-DLC zu bieten hat. Ich betrachte mich nicht als Sammler und verkaufe Singleplayer-Spiele nach Erreichen des Endes gerne mal, beziehungsweise tausche ich sie ein. Da ich damit gewiss kein Einzelfall bin, prophezeie ich an dieser Stelle einfach mal, dass der überraschende Release nicht in allzu hohen Verkaufszahlen münden wird.

 

Prey_20180702212348.jpg

 

Und das wäre äußerst schade, verpassen Spieler dann doch einen hervorragenden Titel. Und zwar einen, der auch wunderbar als eigenständige Episode funktioniert hätte, sind die Story-Bezüge zum Hauptspiel doch lediglich oberflächerlicher Natur. Statt die Geschichte fortzusetzen oder aus einer anderen Perspektive zu erzählen, schlüpft man in die Rolle eines Hackers, der für Kasma Corp, einen direkten Konkurrenten der aus Prey bekannten TranStar, arbeitet, auch wenn das nicht ganz freiwillig geschieht. Doch der Deal klingt gut. Möchte man seine Freiheit erhalten, gilt es die Daten vom Ende einer Mondstation des besagten Konkurrenten in Form einer Simulation zu sichten. So muss man nach und nach in die Rollen verschiedener Besatzungsmitglieder schlüpfen und aus deren Perspektive dem von den Typhon genannten Außerirdischen herbeigeführten Untergang beiwohnen. Mit den Ereignissen des Hauptspiels hat das freilich nichts zu tun.

 

Nach und nach übernimmt man hier die Kontrolle über fünf verschiedene Charaktere, die über jeweils unterschiedliche Fähigkeiten und Spezialisierungen verfügen und deren Freischalten an verschiedene Bedingungen geknüpft ist. Psi-Experte Andrius muss lediglich einen Weg finden, den Mond zu verlassen, um den nächsten Charakter freizuschalten. Für wieder andere müssen spezielle Quests erledigt, oder die Leichen der Besatzungsmitglieder gefunden werden, damit diese im nächsten Durchgang zur Verfügung stehen. Nächster Durchgang?, wird sich jetzt der Fan des Hauptspiels wundern.

 

Bei Mooncrash handelt es sich um ein Spiel mit Roguelike-Elementen. Stirbt man mit einer Figur, schlüpft man in die Rolle der nächsten, sollte diese freigeschaltet sein. Hat man alle vorhandenen Charaktere durch, startet die Simulation - und somit das Spiel - neu. Sprich, man fängt mit der ersten Figur an ihrem Startpunkt an. Dabei bleiben allerdings bestimme Fortschritte immer erhalten. Beispielsweise besondere Fähigkeite, gesammelte Blaupausen, die zur Herstellung neuer Gegenstände benötigt werden, aber auch geöffnete Wege und freigelegte Zugänge, die wiederum auch von anderen Charakteren genutzt werden können. So bleibt zwar der Levelaufbau prinzipiell immer gleich, wird aber mit der Zeit erweitert oder offenbart neue Herangehensweisen an eine Aufgabe. Und auch getötete Gegner bleiben (meist) bis zum Reset der Simulation im digitalen Jenseits. Der Wiederspielwert der Szenarien profitiert davon enorm. Es gibt nämlich auch abseits der Wege einiges zu entdecken. Das Leveldesign ist hier - wie von Arkane nicht anders zu erwarten - grandios und über alle Zweifel erhaben.

 

Desweiteren schaltet man durch einen Großteil aller ausgeführten Aktionen - wie beispielsweise durch das Ausschalten von Feinden oder wenn man neue Gebiete und Geheimnisse entdeckt - auch sogenannte Simulationspunkte frei, die man vor dem Start einer Episode in bessere Ausrüstungs- und Heilgegenstände investieren kann. Dadurch lassen sich bestimmte Herausforderungen, die beim ersten Durchgang unmöglich erscheinen, bei einem zweiten Versuch leichter bewältigen. Da kommt es dem Spiel auch zugute, dass man über die gesamte Bandbreite der aus dem Hauptspiel bekannten Waffen und Hilfsmittel verfügen kann. Experimentieren wird auch hier belohnt und Konfrontationen gleichen sich nur selten. Dafür sorgen auch die neuen Gegnerytpen, die einem das (Über-)Leben zur Hölle machen können. Hier gilt es Taktiken und Bewegungsmuster sowie Schwachstellen zu erlernen und diese nutzen zu können.

 

Prey_20180619133330.jpg

 

Aber nur durch Auswendiglernen wird man die immerhin gut zwanzig Stunden andauernde Kampagne nicht bewältigen können. Denn je mehr Zeit man innerhalb der Simulation verbringt und je häufiger man stirbt, umso schwerer gestaltet sich auch die Flucht. Mit der Zeit steigt eine dazugehörige Leiste und Gegner werden stärker oder deren Platzierung ändert sich plötzlich. Wer Prey kennt - und das ist immerhin der Baum, den ich hier anbelle - weiß wie intensiv der Nervenkitzel sein kann, wenn man hinter jedem Stein, jedem Mülleimer oder Kaffeetasse einen sich tarnenden Gegner vermuten muss.

 

Technisch hat sich Mooncrash kaum weiterentwickelt. Der DLC sieht so aus und fühlt sich auch so an, wie es die Vollversion des Hauptspiels nach ein paar Monaten Optimierungsarbeit tat. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Titel stabil und flüssig läuft und auch das Gunplay durchaus zu überzeugen weiß. Gleiches gilt für das ohnehin ausgezeichnet gelungene Sound- und Musikdesign. Die Bildschirmtexte sind übrigens deutsch und gleiches gilt auch für die Synchronisation des Titels.

 

Allerdings setzt Arkane den Fokus ohnehin nicht auf die Story des Spiels, sondern auf die Stärken des neugewählten Genres. Es steht die Variation im Vordergrund, das Gameplay als solches. Die verschiedenen Handlungsstränge samt übergeordneteter Erzählung sind zwar nett, aber erreichen niemals die Qualität des ursprünglichen Spiels. Dass dies aber nicht negativ auffällt, spricht für die Entwickler und für den experimentellen Ansatz, den sie wählten.

 

Prey_20180619134959.jpg

 

FAZIT

 

Mooncrash ist ein DLC wie aus dem Bilderbuch. Klar, die Veröffentlichungsstrategie dahinter mag Murks sein und letztlich dafür sorgen, dass nur wenige Spieler in den Genuss dieser Erweiterung kommen. Aber abgesehen davon repräsentiert er beinahe alles, was man sich wünschen kann. Statt die Geschichte lediglich zu ergänzen oder zu erweitern, statt eine neue erzählerische Perspektive ins bekannte Spiel zu bringen, wählt Arkane Studio den Weg des Unerwarteten. Sie machen aus dem Action-Adventure im Ego-Shooter-Gewand ein Roguelike-Metroidvania, verändern das Genre also kurzerhand und geben dem Spieler so eine noch direktere Kontrolle über den weiteren Verlauf. 

 

Die Variation des Immergleichen hat schon bei anderen Titeln sehr gut funktioniert, aber selten im Gesamten so harmoniert wie hier. Die verschiedenen Fähigkeiten und daraus resultierenden Herangehensweisen sind in Kombination mit dem zum Experimentieren einladenden Gameplay eine wahre Freude. Hier gibt es nicht einen Charakter, den man nach seinen Wünschen anpassen kann, sondern gleich fünf, die allesamt eine eigene Spezialisierung vorweisen können. Und die allesamt ihren eigenen kleinen Beitrag zur Vollendung der Simulation leisten können und müssen.

 

Prey: Mooncrash ist eine mutige Erweiterung, in vielerlei Hinsicht, wird doch der Wechsel des Genres beispielsweise jenen nicht gefallen, die eine spannende Story erwarten. Und dennoch ist es gerade deshalb eine der besten Erweiterungen gemessen an dem, was man von einem Add-On derzeit zu erwarten hat. Sie ist anders, frisch und eine Variation dessen, was das Hauptspiel bietet. Wer Prey besitzt, sollte die knapp 20 € investieren und darf sich anschließend zu dem Kreis jener Personen zählen, die eine der derzeit besten Spieleschmieden aktiv unterstützen. Denn dass Arkane Studio genau das ist, haben sie hier wieder einmal bewiesen.

Infos
Prey
Prey Packshot
Publisher: Bethesda Softworks
Entwickler: Arkane Studio
Release: 2017-05-04
Zusammenfassung
Prey: Mooncrash ist eine hervorragende Erweiterung, ein toller DLC, der vieles richtig und vor allem anders macht als das Hauptspiel. Der größte Kritikpunkt ist dann auch der, dass man dieses benötigt, um das Add-On spielen zu können. -- 8,5 / 10
Positiv
  • Fünf verschiedene Charaktere
  • Hervorragendes Leveldesign
  • Neue Gegnertypen
Negativ
  • Hauptspiel wird zum Spielen benötigt

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Danke für Deinen Test.

 

Eigentlich hatte ich den DLC nicht weiter groß beachtet. Das werde ich nun aber definitiv tun.

Denn a) habe ich das Hauptspiel dank des PoS noch und b) hatte ich es auch erst vor kurzem ausgepackt, angepackt und beendet.

 

Die Eindrücke von Prey sind also noch frisch  und überaus positiv.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Dieser Inhalt muss durch einen Moderator freigeschalten werden

Gast
Du kommentierst als Gast. Wenn du bereits einen Account hast kannst du dich hier anmelden.
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung wiederherstellen

  Only 75 emoji are allowed.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.

Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  

  • Wer ist Online   0 Benutzer

    Keine registrierten Benutzer online.

×

Wichtige Informationen!

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung und Community-Regeln.