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Daniel Bubel

[Test] - God Eater 3

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In God Eater 3, dem ersten für die PlayStation 4 entwickelten Ableger der durchaus populären Monsterjagd-Reihe, verschlägt es die Spieler in eine postapokalyptische Welt, in der nicht nur die Aragami genannten Monstren für Ärger sorgen, sondern auch politische Entwicklungen, persönliche Differenzen und eine neue Bedrohung namens Aschepartikel, deren Stürme das Land noch weiter verwüsten. Ob Bandai Namcos Anime-Gefechte dabei Capcoms Monster Hunter den Rang ablaufen können und ob das überhaupt Sinn und Zweck der Sache ist, soll der folgende Test klären.

 

 

Es gibt Tage, da bin ich schlichtweg froh, dass ich mich nicht allzu sehr in Story-Details verlieren muss, wenn ich über ein Spiel berichte. Der heutige Tag ist einer dieser Tage. Das liegt aber nun nicht daran, dass die Handlung von God Eater 3 unmöglich zusammenzufassen wäre oder ich nicht schon von absurderen und komplexeren Titeln unterhalten worden wäre, sondern vielmehr daran, dass sie einen großen Stellenwert innerhalb des immerhin gut dreißigstündigen Abenteuers einnimmt. Dabei fallen dann auch einige Begriffe und Formulierungen, die sich erst mit der Zeit erschließen oder im dazugehörigen Glossar nachgeschlagen werden können, und die hier schlicht den Rahmen sprengten, würde ich sie aufzählen müssen. Immer wieder darf man sich zwischen den Missionen längere Videosequenzen ansehen, beziehungsweise Gesprächen der im Anime-Style gehaltenen Figuren lauschen.

 

Die Sprachausgabe kommt dabei wahlweise auf Englisch oder Japanisch aus den Boxen, je nachdem was man bevorzugt, während die Texte komplett ins Deutsche übertragen wurden. Doch bevor es dazu kommt, muss man seinen eigenen Charakter erstellen. Allzu umfangreich fällt der Editor zwar nicht aus, aber neben der Wahl des Geschlechts und einigen vordefinierten Frisuren und Haar- beziehungsweise Augenfarben, kann man immerhin noch Einfluss auf die Gesichtsform und Stimme nehmen. Letzteres ist zumindest auf dem Papier löblich, hat aber kaum eine Auswirkung auf das Spiel selbst, da der Protagonist stumm bleibt. Lediglich im Kampf lässt sich der gebotene Enthusiasmus auditiv wahrnehmen.

 

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Ohnehin hat man aber, ähnlich wie in Capcoms hervorragender Monster Hunter-Reihe - und ihr werdet diesen Vergleich nicht zum letzten Mal gelesen haben, fürchte ich - den Eindruck Teil etwas Größeren zu sein, und nicht etwa der oder die vom Schicksal Auserwählte, um deren pure Existenz sich der Rest der Handlung drehen wird. So steht auch eher der charismatische Kumpan Hugo im Vordergrund, der ebenso wie die Figur des Spielers ein God Eater ist, also ein Mensch, der in der Lage ist mysteriöse, lebendige Waffen namens God Arcs zu führen. Da nur diese die Aragami genannten Monster verletzten und töten können, die in der zerstörten Welt ihr Unwesen treiben und eine Gefahr für die Menschheit sind, handelt es sich bei den God Eater um Söldner, deren Fähigkeiten von unschätzbarem Wert für die letzten überlebenden Menschen sind.

 

Doch statt sie wie Helden zu feiern, werden sie bereits im Kindesalter in Ausbildungslager gebracht um dort zu Kriegern hernazureifen, die es auch mit den stärksten Aragami aufnehmen können. Späterhin fristen sie gerne mal ein Dasein in Ketten, da die unglaubliche Macht der God Eater nur schwer kontrolliert werden kann. Und so ergeht es auch uns als Spieler zu Beginn von God Eater 3.

 

Aus unserer Zelle heraus begeben wir uns immer wieder auf kleinere Nebenmissionen, die man an einem Terminal auswählen kann und die uns von den Menschen zugewiesen wurden. Nebenher kann man sich mit seinen Mitgefangenen unterhalten oder an einem weiteren Terminal seine Waffen und Fähigkeiten aufrüsten. Während dieser Abschnitt als ein Tutorial zum eigentlichen Spiel fungiert, ändert sich auch in den darauffolgenden 28 Stunden nicht mehr viel am Ablauf. Man wählt aus einer vorgegebenen Anzahl an Missionen eine aus und begibt sich auf die Reise, um die dazugehörigen Aragami aufzumischen.

 

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Da diese Missionen nach Rang und Schwierigkeit sortiert sind und die voraussichtlichen Belohnungen ersichtlich sind, kann man sich jederzeit für eine entscheiden, die den eigenen Ansprüchen genügt. Danach begibt man sich entweder mit KI- oder menschlichen Begleitern auf die Jagd nach den gefährlichen Monstern. Genauso wie im großen Vorbild Monster Hunter sind die meisten Missionen an ein Zeitlimit gebunden, nach dessen Ablauf sie als gescheitert gelten. Zudem kann man sich beim Erjagen der unterschiedlichsten Kreaturen auf mindestens ebenso unterschiedliche wie notwendige Komponenten freuen, die man im Crafting in verbesserte Ausrüstung investieren kann. Der große Unterschied zu Capcoms Monsterjagd liegt einerseits in der überschaubareren Waffen- und Rüstungsauswahl und andererseits im Wegfallen der taktischen Komponente.

 

Wo im einen Spiel Spuren gelesen werden müssen, wo Nahrungsmittel, Tränke, Waffen und Vorgehensweise aufeinander abgestimmt werden wollen, möchte man das mächtigste Monster erledigen, reicht es in God Eater 3 wenn die Ausrüstung aufgelevelt ist und man spielerisch routiniert vorzugehen versteht. Dank Lock On-Funktion, schnellen Schlägen und Ausweichmoves finden sich Fans des Action-Rollenspiels ohnehin schnell zurecht, alle anderen werden gerade aufgrund des zu Beginn sehr verzeihenden Schwierigkeitsgrades allerdings auch keine Probleme dabei haben, die Grundzüge zu verinnerlichen. Schnelle und schwere Schläge sind in Kombination und unabhängig der gewählten Waffenart besonders effektiv, wobei die erwähnte Ausweichrolle einen schnell aus dem Schussfeld bringen kann. Sollte die Zeit dazu nicht reichen, kommt der Block zum Einsatz, der - richtig getimed - einige Sekunden gewährt, in denen der Aragami wehrlos ist.

 

Ein wichtiges Feature ist zudem die Fähigkeit der Waffe sich auf Knopfdruck zu verwandeln. Wo die Entwickler von Monster Hunter auf unterschiedliche Waffenmoves und -Fähigkeiten setzen, setzt Bandai Namco den Fokus auf eine gelungene Mischung aus Nah- und Fernkampf. Mittels R1 verwandeln sich die Doppelklingen beispielsweise in eine durchschlagskräftige Kanone, die von unterschiedlichen Munitionstypen angetrieben, entsprechenden Schaden verursacht.

 

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Eine dazugehörige Leiste zeigt an wie lange man die Waffe noch gebrauchen kann. Ist diese erschöpft, wechselt man zurück und kann die Fernkampffähigkeiten durch direkte Angriffe wieder aktivieren. So entsteht ein hervorragender Flow, den man gerade in späteren Missionen häufiger nutzen müssen wird. Dank immerhin acht verschiedener Nahkampfwaffentypen - darunter Äxte, Hämmer, Sensen und vieles mehr -  sowie vier sich mitunter stark unterschiedlich spielender Fernkampfwaffenarten, lässt sich der Avatar an den bevorzugten Spielstil anpassen. Diverse Verbesserungsmöglichkeiten und Spezialmunition, die sich sogar selbst herstellen lässt, runden das Gesamtpaket ab.

 

Zudem ist es möglich die Feinde, die einem gegenüberstehen im Kampf zu verschlingen, beziehungsweise - um hier etwas präziser sein zu dürfen - deren Orakelpartikel zu absorbieren. Dadurch gelangt man in einen Rauschzustand, der einem Zugriff auf stärkere Angriffe und schnellere Kombos ermöglicht. Der Zustand ist zwar zeitlich begrenzt, kann aber durch die Aufnahme weiterer Gegnerenergie verlängert und sogar gesteigert werden. Ist man mit seinen KI-Begleitern unterwegs, kann man sich mit diesen von Zeit zu Zeit verbinden. Solange man in diesem synchronisierten Zustand ist, profitiert man von unterschiedlichen Buffs oder Verbesserungen. Die Art der Verbindung kann mit der Zeit angepasst werden und unterscheidet sich mitunter auch vom gewählten (KI-) Kameraden.

 

Wie eingangs erwähnt funktioniert das alles auch in Kombination mit menschlichen Spielern. vom Terminal aus kann man nach bestehenden Gruppen suchen oder diese erstellen. Fortan ist man entweder in Zweier-, Dreier oder eben Vierer-Teams unterwegs und kann gemeinsam gegen die Aragami antreten und Missionen erfüllen, beziehungsweise sich dem Grind hingeben, der wesentlicher Bestandteil des späteren Spiels wird. Zumindest dann, wenn man sich dem hingeben möchte.

 

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Ansonsten bleibt zu sagen, dass die Steuerung des Titel weitestgehend gut funktioniert - auch wenn manche Bewegungsabläufe und Moves unnötiger Weise hinter Tastenkombinationen versteckt sind - und gerade die Kämpfe erfreulich einfach von der Hand gehen, aber blöderweise die Kamera einem immer wieder einen Strich durch die sprichwörtliche Rechnung machen kann. Trotz Lock-On verliert man die Gegner immer wieder mal aus den Augen und schlägt ins Nichts. Das kann enorm frustrieren und gerade bei mehreren starken Gegnern den Geduldsfaden zum Anreißen bringen. Letzten Endes mag man sich zwar an diese Störrischkeit gewöhnen, aber es bleibt einem ein Dorn im Auge.

 

Gleiches gilt für das nervige Kantenflimmern und die schwachen Texturen. Trotz der Tatsache, dass God Eater 3 von Grund auf für die PlayStation 4 entwickelt wurde - und nicht wie der direkte Vorgänger der Port eines Handheldgames ist - sieht man das dem Spiel nicht immer an. Einen Schönheitswettbewerb mag der Titel gerade im Detail also nicht gewinnen, aber dennoch weiß der Animestil durchaus zu gefallen. Und gerade die äußerst gelungenen Beleuchtungs- und Partikeleffekte sowie das coole Monsterdesign täuschen dann über die grafischen Defizite gerne mal hinweg.

 

FAZIT

 

Als Neueinsteiger in die Reihe war ich vor allem zu Beginn von den Stich- und Schlagwörtern überfordert, die God Eater 3 in den Raum und / oder um meine Ohren wirft. Zwar wurde vieles später klarer, aber das meiste nahm ich schlichtweg mit einem Achselzucken hin. Nichtsdestotrotz entwickelte sich die Story mit der Zeit in unerwartete Richtungen und konnte mich dank einiger gelungener Wendungen und Enthüllungen tatsächlich bis zum Ende unterhalten. Etwas mehr als dreißig Stunden dauerte mein erster Ausflug in die Welt des Franchise und damit in etwas so lange wie der in die von Capcoms Monster Hunter World, das vor etwas mehr als einem Jahr erschienen ist.

 

Wer jetzt mit den Augen rollt, weil ich schon wieder einen Vergleich anführe, der eventuell nicht so ganz angebracht ist, hat recht. Aber genau deshalb tue ich es auch. Als jemand, der Spiele gerne aufgrund ihrer narrativen Komponente erlebt, hatte ich mit God Eater 3 in dieser Hinsicht trotz zahlreicher Anime- und Science Fiction-Klischees sehr viel mehr Spaß, auch wenn Gameplay und Technik im direkten Vergleich wesentlich schlechter abschneiden würden.

 

Bandai Namcos Monsterjagd-Konkurrent hat seine Fehler und Macken, macht aber auch einiges richtig. Wer auf schnelle Kämpfe, coole Inszenierung und einen gemäßigten Grind steht, kann bedenkenlos zugreifen. Fans der Reihe sollten das ohnehin tun.

 

Vor allem, da man den Titel bereits ab 39,99€ (gefunden auf idealo.de) bekommen kann.

Infos
God Eater 3
Publisher: Bandai Namco Games
Entwickler: Shift
Zusammenfassung
Eine Monster Hunter-Alternative für Fans postapokalyptischer Spielwelten, die mehr Wert auf eine durchdachte Story als auf die Jagd per se legen. Technisch nicht ganz auf der Höhe, macht der Titel dennoch Spaß - 7/10
Positiv
  • Offline wie Online spielbar
  • Wendungsreiche Story
  • Cooles Monsterdesign
Negativ
  • Steuerung mitunter unnötig kompliziert
  • Bockige Kamera

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