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Daniel Bubel

[Test] - Rage 2

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Mit Rage 2 hat Bethesda einen Nachfolger zu dem 2011 für PlayStation 3, Xbox 360 und den PC veröffentlichten Ego-Shooter veröffentlicht, mit dem id Software seinerzeits neue Wege einschlagen wollte. Statt Shooter-Action im Schlauch wollte die vor allem für Doom bekannte Spieleschmiede eine offenere Spielwelt bieten, in der man sich auch bequem mittels Fahrzeug fortbewegen konnte. Dadurch hielten dann auch Rennspielelemente Einzug in das sonst doch recht starr definierte Genre. Das Ergebnis konnte sich grafisch und spielerisch durchaus sehen lassen, blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Mit der Fortsetzung dieser eher unbekannten Marke beweist man nun durchaus Mut, wenngleich man mit den Avalanche Studios ein Team beauftragte, das bereits in der Vergangenheit beweisen konnte, dass sie die Postapokalypse stemmen können. Was kann da noch schiefgehen?

 

 

 

Die kurze Antwort auf die oben gestellte Frage wäre wohl: Ziemlich viel. Aber da das im Rahmen einer Rezension wahrscheinlich ein paar Worte zu wenig wären, sollen noch einige mehr folgen. Die etwas längere Ausführung - und damit würde ich mich quasi schon jetzt mit dem Fazit auseinandersetzen müssen - wäre wohl "Rage 2 ist der schlechteste Shooter, den ich in diesem Jahr gespielt habe. Und gleichzeitig der beste". Soll ja Leute geben, die nicht so viel Zeit haben. Mögen sich eben jene über die vorhergehenden Sätze freuen.

 

Alle anderen dürfen sich folgend über weitere Details zu Avalanche Studios Open World-Shooter freuen. Denn das ist es natürlich. Nicht nur ein Shooter, sondern einer, der eine offene Spielwelt bietet. Dass das im besten Fall funktionieren kann, beweist vor allem die Far Cry-Reihe gefühlt jährlich. Und dass die Open World en vogue ist, belegen die dazugehörigen Verkaufszahlen immer wieder aufs Neue. Dass es aber nicht funktionieren muss, dafür ist nun Rage 2 der Beleg. Die Welt ist offen und groß, lockt mit zahlreichen verschiedenen Aktivitäten und Geheimnissen, bietet verschiedene Städte und Siedlungen, Herausforderungen und skurrile Charaktere. Der Titel ist der Inbegriff der abgehakten Checkliste - die Videospiel gewordene "nichts kann schiefgehen"-Plattitüde Zielgruppen gerichteter Marketingexperten.

 

All das aber leider eben nur auf dem Papier. Denn Fakt ist, dass Rage 2 trotz einiger herausragender Stärken (zu denen ich auch noch kommen werde) ein im Durchschnitt mäandernder Open World-Titel ist. Die durchaus abwechslungsreichen Aufgaben, wie Banditenlager ausräumen, gepanzerte Konvois ausschalten, zerstörerische Wachtürme vernichten, Wettrennen fahren oder sich als Kopfgeldjäger zusätzliche Moneten verdienen, sind eben nur so lange abwechslungsreich bis man feststellt, dass dies das gesamte Konzept ist, auf der Avalanches offene Welt fußt. Sie ist ein monotoner und repetitiver Zirkus, dem es an Höhepunkten mangelt. So kurzweilig die Aktivitäten auch sein können, so wenig bleiben sie im Gedächtnis. Ehrlich, es gab keinen einzigen Stützpunkt, Außenposten oder Wettrennen außerhalb der Story-Missionen, an das ich mich bewusst erinnern würde. Das ist einerseits schade, andererseits aber auch nicht überraschend, wenn man man die schiere Menge betrachtet.

 

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Während der Erkundung der immerhin sechs großen und thematisch sowie visuell unterschiedlichen Gebiete, ploppen alle paar Meter neue Fragezeichen auf, die sich bei näherer Betrachtung dann in eine der genannten Missionstypen verwandelt. Zeit totschlagen kann man in Rage 2 also durchaus. Zumindest wenn man sich nicht nur auf die Handlung des Titels konzentriert. Folgt man dieser flimmert nach guten 10 Stunden der Abspann über den Bildschirm. Aber dazu gibt es leider kaum einen Grund. Denn auch wenn die Story-Missionen selbstverständlich beeindruckender inszeniert werden als die Nebenaufgaben, bleibt der schale Beigeschmack einer 08/15-Erzählung. Tatsächlich ist die Handlung sogar dermaßen irrelevant, dass ich sie an dieser Stelle nicht mal mehr grob zusammenfassen möchte. Es spielt einfach keine Rolle, was ihr weswegen machen müsst. Hetzt von A nach B und haltet den Bösewicht auf. Aber bitte erwartet keine Spannung oder interessante Verflechtungen.

 

Die Haupt- und Nebenfiguren sind auf den ersten Blick zwar interessant und außergewöhnlich , besitzen aber auf den zweiten keinerlei Tiefe oder Relevanz. Sie sind Questgeber, denen man Redezeit eingeräumt hat und meilenweit entfernt von der Klasse eines Borderlands oder Fallout, von denen man sich eindeutig hat inspirieren lassen. An dieser Stelle wird sich der ein oder andere Leser vermutlich denken, dass Rage 2 ein schlechtes Spiel ist. Die große Überraschung folgt nun aber, wenn ich dem entgegne, dass dies mitnichten der Fall ist. Ganz im Gegenteil ist es sogar ein richtig gutes Spiel. Das beweisen nicht zuletzt die gut 25 Stunden, die ich mitllerweile investiert habe und jene, die ich noch investieren werde. Sogar der Gedanke daran die Platin-Trophäe zu erspielen drängt sich mir von Zeit zu Zeit auf. Aber warum das trotz der oben genannten Punkte?

 

Der Grund hierfür liegt in der Schützenhilfe, die id Software geleistet hat, in dem sie die Avalanche Studios genau dort unterstützen, worin sie Experten sind: Im Shooter-Gameplay. Und das ist herausragend. So unverschämt schnell, präzise, flüssig und elegant hat sich schon lange kein Ego-Shooter mehr gespielt. Die Schüsse sitzen, das Feedback ist fantastisch und die Waffen - so überschaubar sie in der Auswahl aus sein mögen - haben eine wunderbare Wucht. Jede Konfrontation ist ein Genuss, egal ob mit der Pistole, dem Maschinengewehr oder der Schrotflinte gearbeitet wird. Und dass im Raketenwerfer noch mehr großartiges Zerstörungspotential steckt, brauche ich wohl kaum erwähnen. Feindkontakt ist in Rage 2 gleichbedeutend mit Spaß. Wirklichem, ehrlichem Spaß.

 

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Alle Waffen lassen sich zudem modifizieren und verbessern, müssen aber erst gefunden werden. Sie stecken in sogenannten Archen versteckt, die man innerhalb der Spielwelt finden kann. Gleiches gilt für die Fähigkeiten des Protagonisten, der übrigens entweder weiblich oder männlich ist - eure Wahl. Mit der Zeit schaltet ihr für ihn oder sie neue Manöver wie den Dash frei, telekinetische Druckwellen, Doppelsprünge oder die Möglichkeit kurzzeitig zu schweben. Aus großer Höhe in eine Gruppe von Gegnern zu springen und diese mittels umwerfender Druckwelle in alle Himmelsrichtungen zu verteilen, hat indes natürlich auch seinen Charme. Oder man wechselt in den Overdrive Modus sobald dieser aufgeladen ist und richtet verheerenden Schaden an. Da spielt es auch kaum eine Rolle, dass die Gegner selten dämlich sind und sich nur allzu gerne abschießen lassen, auch wenn sie durchaus gut auf anhaltendes Feuer reagieren. Da wollen wir ja unterm Strich das gleiche. Passt.

 

Neben den Goons, die man hundertfach ins Jenseits befördern wird, gibt es auch zahlreiche gigantische Mutanten, die sich einem in den Weg stellen. Diese Kämpfe sind durchaus beeindruckend inszeniert und fordern mitunter unterschiedliche Herangehensweisen. So müssen beispielsweise erst Rüstungsteile abgeschossen werden, ehe man sie erledigen kann, oder bestimmte Schwachstellen ins Visier genommen werden.

 

Die unterschiedlichen Fahrzeuge, die man im Laufe des Spiels freischalten kann, lassen sich ebenfalls gut manövrieren, sobald man sich daran gewöhnt hat, weswegen man sich häufiger dabei erwischen wird, dass man auf die Schnellreisefunktion verzichtet und lieber fährt - oder später sogar fliegt. Die meisten eurer blechernen Kutschen verfügen zudem über Waffensysteme und besondere Funktionen, mit denen sich ebenfalls Gegner aufs Korn nehmen lassen. Natürlich zudem auf- und umrüstbar. Ich halte mich an dieser Stelle mal kurz und schreibe lediglich "Boost. Dash. Gatling Gun. Raketen". Mehr braucht es manchmal nicht, um glücklich zu sein.

 

Das fühlt sich alles etwas sperriger an als die Fortbewegung per pedes, liegt aber wohl in der Natur der Sache. Sperrig ist außerdem nicht nur die Menüführung, sondern auch das Upgraden der Fähigkeiten, Fahrzeuge und Waffen. Unterschiedliche Materialien und Punkte werden benötigt und das Spiel macht einfach keinen guten Job darin dies übersichtlich oder leicht nachvollziehbar anzuzeigen. Schade.

 

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Unter Berücksichtigung dieser Punkte respektive des Fakts, dass sich Rage 2 so toll spielt, erstrahlen auch die genannten Kritikpunkte unter einem anderen Licht. Zu behaupten, dass das repetitive Missionsdesign und die damit einhergehende Monotonie damit keine Rolle mehr spielen, wäre natürlich vermessen. Und auch die lahme Story wird natürlich nicht besser. Aber man sieht über die Schwächen eher hinweg, wenn man sich während der Schießereien gut unterhalten fühlt. Und das schafft der Titel durchaus.

 

Er läuft zum Glück auch flüssig und sieht im richtigen Licht sogar sehr gut aus. Allerdings sollte man nie zu genau hinsehen. Die Haupt- und Nebenfiguren sind wahrlich keine Augenweide und die Texturen eher okay denn wirklich schön. Außerdem stören selbst auf der PlayStation 4 Pro spät nachladene Objekte die Immersion. Diese Pop Ups müssen auf der Konsole wahrscheinlich in Kauf genommen werden, um die Bildrate bei den gefühlt konstanten 60 fps zu halten. Wie von Bethesda nicht anders gewohnt, ist die deutsche Synchronisation durchwegs gelungen, auch wenn manch ein deutscher Sprecher sich doch sehr stark von der englischen Intonation unterscheidet. Wer des Englischen mächtig ist, sollte sich dementsprechend für den Originalton entscheiden, es ist aber nicht unbedingt nötig.

 

Fazit

 

Rage 2 ist der schlechteste Shooter, den ich in diesem Jahr gespielt habe. Und gleichzeitig der beste. Die Open World ist nicht nur monoton, sondern geradezu stinklangweilig und die Nebenaufgaben so abwechslungsreich wie das Leben einer Schildkröte, die im Terrarium gehalten wird. Nichtsdestotrotz mach das Spiel Spaß. Und das liegt am wunderbaren Gunplay und den coolen Spezialfähigkeiten. In dieser Hinsicht merkt man eben, dass id Software an der Entwicklung beteiligt war. Diese Erkenntnis lässt einen allerdings auch etwas traurig zurück, weil sie die Frage aufwirft, wie fantastisch Rage 2 hätte sein können, hätte man auf die offene Spielwelt und all den Problemen, die diese mit sich bringen kann, einfach verzichtet. Aber bringt ja alles nichts. Und Doom Eternal kommt ja noch.

 

Bis dahin bleibt der vorliegende Titel ein zwar nur durchschnittliches Spiel mit belangloser Story, aber gleichzeitig ein toller Ego-Shooter eingebettet in eine langweilige Open World. Genrefans sollten einen Blick riskieren.

 

 

Vor allem für einen günstigen Preis: Rage 2 soll bereits ab 39,95 € verfügbar sein (gefunden auf idealo.de)

 

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Infos
Rage 2
Rage 2 Packshot
Publisher: Bethesda Softworks
Entwickler: ZeniMax Online Studios
Zusammenfassung
Rage 2 bietet fantastisches Gunplay und eine unglaublich leere Spielwelt. Ein dennoch solider Titel, mit dem man Spaß haben kann, wenn man sich nicht an einer kurzen Story und repetitiven Missionsdesign stört. Für das Gesamtpaket gibt es dennoch nur 6/10 Punkten.
Positiv
  • Hervorragendes Gunplay
  • Tolle Action
  • Zahlreiche Fähigkeiten
Negativ
  • Lahme Story
  • Leere Spielwelt
  • Monotones Missionsdesign

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Ein Shooter, wo die Welt noch offener ist als bei Serious Sam seinerzeit, funktioniert in meinen Augen nicht. Und selbst da brauchte es schon hundert Gegner pro Minute um die Action hoch zu halten. Ein guter SP-Shooter hat in meinen Augen ein geiles Gunplay mit einer guten Auswahl an Waffen, ein schlauchiges Design, eine tolle Spannungskurve mit wechselnd schnellen und langsamen Leveln, eine einigermaßen annehmbare Story und eine Spielzeit von 7-10 Stunden. Mehr braucht es doch eigentlich nicht...

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Habe Rage 2 jetzt seit einigen Tage hier Zuhause (geliehen), und kann mich nach wie vor für das Game begeistern.

 

Gut, Open World wäre nicht unbedingt nötig gewesen, aber davon ab kann man sich in Rage 2 schon ganz gut die Zeit vertreiben, und wenn man nur mit einem Fahrzeug die Sau raus lässt.

Und man trifft schon immer mal wieder auf ein kleines Scharmützel, wo man mitmischen kann.

 

Auch die feindlichen Lager zu erkämpfen macht immer noch Bock, und mit ein paar Leuten und na Kiste Bier wird das Ganze dann noch lustiger. :thumbup:

 

Und für jetzt 39,95€ kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

 

Unterm Strich muss ich auch mal anmerken, dass Leute die bei Rage2 Anspruch an die Story erwartet haben, wohl falsch sind.

Hier heißt es, Hirn aus, Knarre an, und ab geht der Spaß. Nicht mehr und nicht weniger!!

 

 

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