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Daniel Bubel

[Test] - No Straight Roads

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Um es mit den Worten der legendären The Doors und somit mit Jim Morrisons unvergleichbarer Stimmgewalt zu sagen, "When the music's over, turn out the lights". Ein unterm Strich nicht herausragender, aber nichtsdestotrotz kultiger Song dient in diesem Fall, wenn wir es mal genau nehmen wollen, als Teil einer Schablone für das Action-Adventure No Straight Roads. Denn in diesem rhythmusbasierten Titel der Entwickler und Entwicklerinnen bei Metronomik schlüpfen wir in die Rollen der beiden Vollblutmusiker und Rock-Enthusiasten Zuke und Mayday, die sich in einem von EDM korrumpierten System zur Wehr setzen müssen, um ihre Heimatstadt wieder mit Strom und Leben versorgen zu können. Ob das erzählerische und musikalische Experiment geglückt ist, soll der folgende Test klären.

 

 

Mayday (oder kurz May) und Zuke sind nicht nur Teil der selbstgegründeten Rock-Band Bunk Bed Junction, sondern auch die letzten Vertreter ihrer Art. Denn im Vinyl City der Zukunft ist Rock'n'Roll eine vom Aussterben bedrohte Musikrichtung und EDM regiert die Welt. Dabei reicht die damit generierte musikalische Energie kaum aus, um die gesamte Stadt mit Strom zu versorgen und seltsamerweise nur dafür die berühmtesten EDM-Musiker darin zu unterstützen eine ganzjährige Elektroparty zu schmeißen.

 

Was für den einen erst einmal für jede Menge Spaß klingen mag, wird leider auf dem Rücken der armen und musikalisch anderweitig orientierten Gesellschaft ausgetragen. Um das zu ändern nehmen May und Zuke an einer Talentshow teil, bei der gemessen wird, für wie viel Energie die Auftritte sorgen können. Wer sich wacker schlägt, gewinnt und kann mit seiner Musik einen Beitrag zur Stromversorgung beitragen. Zumindest auf dem Papier. Denn obwohl die beiden eine fantastische Show und Bestergebnisse abliefern, werden sie disqualifiziert. Rock sei tot und nicht der Rede wert, heißt es.

 

Gedemütigt ziehen sich die beiden zurück in die Kanalisation, in der sich nicht nur ihr Proberaum befindet, sondern auch ihr sogenanntes Hauptquartier, von dem aus sich in Zukunft weitere Aktionen planen lassen. Denn so können und wollen sie dieses falsche Spiel nicht auf sich sitzen lassen und rufen zum Widerstand auf. Ihr neues Ziel, die Jury - und somit treibende EDM-Kraft Vinyl Citys - sowie die dahinter stehende Organisation NSR (No Straight Roads) ausfindig machen und mit der Macht des Rock bezwingen. Für eine bessere und vor allem gleichberechtigte Zukunft aller Bürger.

 

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Was selbstverständlich erst einmal nach einer doch etwas eigenartigen, beinahe schon sinnbefreiten Handlung klingt, funktioniert innerhalb von No Straight Roads erstaunlich gut. Dafür sorgen das von rhythmusbasierten Eingaben geprägte Gameplay und das entfernt an die Ästhetik der Band Gorillaz erinnernde Artdesign. Natürlich nimmt sich das alles nicht so ernst und natürlich sind die Figuren, ihre Motivationen und die Tragweite der Geschichte überzogen, aber die Quintessenz, dass Musik als antreibende Kraft funktionieren und über selbstauferlegte Genre-Grenzen hinaus transzendieren kann, ist so weit hergeholt unterm Strich dann auch nicht.

 

Gameplay-technisch stehen eindeutig die Kämpfe gegen die wenigen, aber dann zahlreichen Mobs im Vordergrund, nach denen grundsätzlich brachial inszenierte Boss-Kämpfe gegen die Anhänger der NSR folgen. Diese sind unterschiedlich aufgebaut und verlangen nicht nur ein im Ansatz taktisches, sondern eben auch dem Takt folgendes Fingerspitzengefühl. Denn jeder der Bosse versetzt einen in unterschiedliche Umgebungen, in denen ein neuer EDM-Song die Grundlage für den geforderten Rhythmus ist. Die Kämpfe laufen dabei immer in Echtzeit ab, wobei man zwischen leichten, schweren und Fernangriffen wählen kann. Für letztere muss man zwar erst entsprechende Munition sammeln, aber gerade diese entscheiden oft über Sieg und Niederlage.

 

Dies gilt auch für die Wahl des Charakters. Auf Knopfdruck wechselt man zwischen Zuke und May hin und her, wobei die nicht aktive Figur mit der Zeit wieder etwas Lebensenergie aufladen kann. Grundsätzlich steuern sich beide Figuren gleich - und leider auch gleich schwammig - wobei jede ihre Vor- und Nachteile hat. So verursacht May zwar mehr Schaden, ist aber generell etwas langsamer in der Ausführungen ihrer Angriffe, während Schlagzeuger Zuke zwar besser und effektiver Kombos aneinanderreihen kann, dafür aber weniger Schaden verursacht. Solo-Spieler wechseln also nach Bedarf, während jene, die den Titel im Koop spielen wollen, nur einmalig ausbaldowern müssen, mit wem der beiden sie ins Abenteuer ziehen wollen. Denn No Straight Roads lässt sich auch komplett offline mit einem Freund oder einer Freundin im kooperativen Modus spielen.

 

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Während sonst alles in diesem Review besprochene gleichbleibt, leidet der Mehrspielermodus allerdings unter einem Nachteil, der furchtbaren Kamera, die dafür sorgt, dass man mehr als einmal den Überblick verliert. Was außerhalb der Kämpfe zwar für etwas Frust sorgen würde, aber sonst verschmerzbar wäre, sorgt gerade während der fordernden Konfrontrationen für sich ständig weiter anstauenden Zorn. Denn hier muss der Rhythmus eben stimmen. Drückt man zu früh oder zu spät, versemmelt man entweder den geplanten Angriff oder leidet Schaden. An dieser Stelle müsste auf jeden Fall noch nachgebessert werden, denn sonst bleibt der Koop-Modus zwar immer noch eine spaßige, aber eben frustrierendere Alternative zum Singleplayer.

 

Aber es gibt eben auch noch ein Leben außerhalb der Kämpfe. So schaltet man durch Besiegen der Bosse neue Stadtteile frei, die man selbstständig erkunden kann. Neben dem ein oder anderen NPC, die zwar keine wirklichen Nebenquests, wohl aber Infos zur Spielwelt bieten, warten noch Qwasa genannte Energiequellen, mit der man dunkle Bezirke wieder mit Strom versorgen kann. Zudem muss man größere und kleinere Jump'n'Run-Passagen bewältigen, die aufgrund der erwähnten schwammigen Steuerung keinen nennenswerten Spaßfaktor bringen. Und auch die eingesetzten Qwasa-Behälter bringen am Ende lediglich ein paar virtuelle Fans auf den eigenen Zähler.

 

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Fans sind dabei sozusagen das Zahlungsmittel in No Straight Roads, denn diese lassen sich von der Kanalisation aus in neue Fähigkeiten stecken, dank derer man sein Move-Repertoire Stück für Stück erweitern kann. Demenstprechend sinnvoll könnte also das Sammeln und Einsetzen der Qwasa sein, wenn man nicht im Laufe des Spiels sehr viel effektivere Methoden zur Gewinnung von Fans freischalten würde. So bleiben die Erkundungsabschnitte des Spiels leider relativ blass und wirken aufgesetzt. Wäre da nicht das beiläufige Worldbuilding und die grundsätzlich toll designten Umgebungen, man hätte sie womöglich getrost komplett streichen können.

 

Neben den Move-Aufwertungen durch die Kraft gewonnener Fans, kann man übrigens in der Spielwelt und häufig eben auch nach Feindkontakt, Sticker und Accesoires freischalten. Mit letzteren kann man sein Hauptquartier verschönern, während man erstere auf die Waffen klebt. Das sieht dann natürlich erst einmal schmückend aus, bringt aber auch je nach Aufkleber unterschiedliche Boni mit höhere Reichweite oder mehr Schaden. Spezialisieren kann man sich dadurch freilich nicht, aber es hilft dabei die jeweiligen Schwächen der Figuren etwas ausgleiche zu können.

 

Wären nicht die Kameraprobleme, Framerateeinbrüche und der ein oder andere Bug, No Straight Roads liefe tatsächlich rund. Da trotz des pünktlich zum Release veröffentlichten Patches aber alle diese Probleme noch bestehen bleiben, ist das technische Gerüst lediglich als solide zu bezeichnen. Für einen kleinen Indie-Entwickler ist das abgelieferte Ergebnisse aber nichtsdestotrotz gelungen, da drücke ich auch mal zwei Augen zu in Hinblick auf die finale Wertung und freue mich darüber zusätzlich anmerken zu können, wie gut das Spiel eigentlich aussieht. Zumindest wenn man mit dem Artstyle etwas anzufangen weiß. Auf der PlayStation 4 Pro und einem UHD-TV kommen sowohl die knalligen Farben als auch die Mischung aus postapokalyptischem Comic-Look und CGI-Animationsfilm voll zur Geltung. Und auch der Soundtrack - und das ist ja wohl der wichtigste Punkt, wenn wir es genau nehmen wollen - ist rundum gelungen.

 

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FAZIT

 

No Straight Roads ist ein toller und mehr als unterhaltsamer Indie-Titel, bei dem man merkt, wie viel Arbeit die Entwickler hineingesteckt haben. Gleichzeitig wird man aber auch das Gefühl nicht los, dass sie zu viel auf einmal wollten. Denn wo das rhythmusbasierte Kämpfen gegen die unverhätnismäßig großen Bosse im Rahmen einer Art Boss Rush-Games hervorragend und alleinstehend funktioniert hätten, werden sie von unnötigen Erkundungs-Passagen und mehr schlecht als recht sitzenden Jump'n'Run-Elementen in ein seltsam starres Korsett gedrückt, in dem das Gesamtbild nicht mehr richtig stimmig wirkt. Nichtsdestotrotz kann man mit dem Titel sehr viel Spaß haben. Vor allem alleine, aber wenn man über die Kameraprobleme hinwegsehen kann, eben auch gleichzeitig mit einem Freund oder einer Freundin. Gorillaz-Musikvideo trifft Jet Set Radio. Für wen das verlockend klingt, der sollte einen Blick riskieren. Alle anderen könnten aber zumindest von der Musik oder dem tollen Artdesign angetan sein.

Infos
No Straight Roads
No Straight Roads Packshot
Publisher: Soldout
Entwickler: Metronomik
Release: 2020-08-25
Zusammenfassung
Unterhaltsames Action-Adventure mit großem Fokus auf Musik und cool inszenierte Boss-Kämpfe. Für Solisten aber auch Koop-SpielerInnen geeignet, die sich am eigenwilligen Look nicht sattsehen können. - 7,5/10
Positiv
  • Starke Boss-Kämpfe
  • Interessante Hintergrundgeschichte
  • Zwei-Spieler-Modus
Negativ
  • Etwas schwammige Steuerung
  • Nur wenig Abwechslung
  • Kamera sorgt für Probleme

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