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Daniel Bubel

[Test] - The Suicide of Rachel Foster

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Sogenannte Walking-Simulatoren versuchen sich oft am Spagat zwischen minimalen Gameplay-Mechaniken und komplexen Geschichten. So nun auch das von One-O-One Games und Daedalic Entertainment entwickelte The Suicide of Rachel Foster. Wie der Name schon verrät, ist die grundlegende Thematik rund um Vergangenheitsbewältigung und Selbstmord so düster, dass man behutsam damit umgehen muss. Und dennoch präsentiert sich der Titel als Snack für Zwischendurch. Ob das funktioniert, sollen die folgenden Zeilen klären.

 

 

Habt ihr Lust auf eine Zeitreise? Gut, denn The Suicide of Rachel Foster spielt einerseits im Jahr 1993 und folgt der Geschichte der jungen Frau Nicole, die nach dem Tod ihrer Eltern in das familieneigene Timberline Hotel zurückkehrt. Das mitten in den Bergen liegende Haus wurde schon lange nicht mehr von Gästen besucht und daran soll sich auch nichts ändern. Denn die junge Frau plant, es zu verkaufen und besichtigt es lediglich ein letztes Mal, um die Wertsachen zu sichern, mit denen sie ihr Studium finanzieren kann. Der Rest soll an den Höchstbietenden veräußert werden.

 

Denn selbstverständlich - wie das Genre-typisch bei alten Hotels eben so ist - lauern in den Zimmern lediglich die Geister der Vergangenheit. Im erst einmal übertragenen Sinne, versteht sich. Denn im Jahre 1983 ließ sich ihr Vater auf eine Affäre mit dem 16-jährigen Mädchen Rachel Foster ein, die kurz nach Bekanntwerden dieses Skandals Selbstmord begangen hat. Nicole selbst verließ daraufhin gemeinsam mit ihrer Mutter sowohl ihren Vater als auch ihr Zuhause. Dieser Trip in die Vergangenheit soll dementsprechend so schnell wie möglich hinter sich gebracht werden.

 

Doch - wie könnte es anders sein - bleibt es für Nicole erst einmal bei dem Wunsch. Denn ein Schneesturm zieht auf und der Anwalt, mit dem der Vertrag aufgesetzt werden soll, verspätet sich. Als ein eigenartiges Telefon, ein klobiger Mobilfunkempfänger, plötzlich klingelt und sie abhebt, meldet sich ein Mitarbeiter des örtlichen Katastrophenschutzes, der Federal Emergency Management Agency (FEMA). Irving, so der Name, warnt sie vor dem Sturm und dass sie das Hotel schnellstmöglich verlassen muss, wenn sie nicht die nächsten Tage oder Wochen dort verbringen möchte. Doch in der Garage angekommen, fehlt vom Autoschlüssel plötzlich jede Spur. Hat Nicole ihn verlegt, oder wurde er von irgendjemandem entwendet? Sie war sich doch so sicher, dass sie ihn auf der Fahrerseite hat liegen lassen...

 

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Die ersten fünfzehn Minuten des Spiels, die ich oben stehend zusammengefasst habe, bilden nicht nur die Ausgangslage für die Handlung, sondern setzen auch den atmosphärischen und spielerischen Grundstein für alles Weitere. Gerade spielerisch bleibt The Suicide of Rachel Foster innerhalb seiner Genregrenzen. Das bedeutet in diesem Fall, dass wir Nicole in eher moderatem Tempo durch das große Anwesen steuern, Türen öffnen und an vorgegebenen Punkten mit der Umgebung interagieren können. Umgebungsrätsel oder sonstige Puzzle gibt es erst gar nicht, es sei denn man ordnet Aufgaben nach dem Motto "Gegenstand X könnte mir jetzt helfen. Lag der nicht an Ort Y herum?" entsprechend ein.

 

Im Laufe des Spiels kommen zwar zwei, drei Gegenstände ins Inventar, die man je nach Bedarf theorethisch (!) jederzeit einsetzen könnte, allerdings bringen sie nur etwas in den vorgegebenen Passagen. Der Polaroid-Fotoappat, mit dessen Blitz man die Umgebung kurzzeitig erhellen kann, hätte so zum nützlichen Begleiter werden können, das verlangt das Spiel aber zu keinem Zeitpunkt. Das ist zwar schade, kann aber so verstanden werden, dass die Entwickler das eher unaufgregte Gameplay zeitweise auflockern wollten. Nichtsdestotrotz haben das andere Genre-Vertreter wie das hervorragende What Remains of Edith Finch grundsätzlich einfach besser hinbekommen.

 

Aber man spielt ja solche Titel nicht des Spielens wegen, sondern wegen der Geschichte und der Atmosphäre, um es mal verallgmeinert auszudrücken. Und hier macht der Titel schon einiges richtig. Wir erleben immer wieder Ausschnitte verschiedener Tage, in denen Nicole das Timberline Hotel erkundet und sich währenddessen mit Irving unterhält, der sie in dieser Isolation nicht alleine lassen möchte. Die zahlreichen Gespräche, in denen auch die Vergangenheit der beiden Personen behandelt werden, erinnern da durchaus auch mal an Firewatch. Am Ende erreicht man zwar nicht ganz das Niveau der Dialoge, man erkennt aber immerhin, wovon sich die Entwickler haben inspirieren lassen. Zudem entwickeln sich hier neue Ebenen der nur scheinbar leicht durchschaubaren Handlung. Denn Nicoles Vater hat sich gegen Ende seines Lebens viel mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt. Spukt Rachel Fosters Gespenst womöglich wirklich durch die leeren Flure?

 

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Die Antworten auf diese Frage erhalten SpielerInnen jeglichen Geschicks nach spätestens zweieinhalb bis drei Stunden, wenn der Abspann über den Bildschirm flimmert. Und auch wenn gerade zum Ende hin einige Tage etwas zu kurz zu kommen scheinen und nicht jede Entwicklung Sinn ergeben möchte, ist der Weg dorthin ein grundsätzlich sehr interessanter bis spannender. Das liegt aber auch am Schauplatz des Titels. Das Timberline Hotel ist wunderschön designt und überzeugt durch verschiedene Locations, in denen die Entwickler ihre Liebe zum Detail beweisen konnten. Zwar sind die Texturen lediglich solide, aber die erwähnten Details sowie die wundervolle Beleuchtung erzeugen eine tolle Gänsehaut-Atmosphäre.

 

Vor allem wenn man dem Hinweis der Entwickler Folge leistet und The Suicide of Rachel Foster mit aufgesetzten Kopfhörern genießt. Die englischsprachigen Sprecher leisten einen fantastischen Job und die Akustik ist grundsätzlich hervorragend. Der minimale Einsatz von Musik sorgt zudem dafür, dass man sich so richtig einsam durch die verlassenen Flure des Hotels bewegt. Und mehr als einmal habe ich mich gefragt, ob ich das schaffen würde, oder ob mir die Leere, die Isolation, aber auch die verwinkelten Flure des Kellers nicht den Rest geben würden?

 

Fazit

 

The Suicide of Rachel Foster lebt von seiner Geschichte und deren Umsetzung. Und die ist bis auf wenige Ausnahmen auf durchgängig hohem Niveau. Es ist ein Mystery-Thriller, in dem sich verschiedene Teile des Puzzles erst mit der Zeit ergeben und die es dann auch noch einzuordnen gilt. Grundsätzlich bietet der Titel nur wenig Neues und hätte in manchen Passagen gewiss ein etwas höhreres Tempo einschlagen können. Und nichtsdestotrotz hatte ich eine unangenehm-tolle Zeit mit dem Spiel. Denn neben der spannenden Geschichte lebt das Spiel eben von der fantastischen Atmosphäre und der sympathsichen Protagonistin, die sich den Geistern ihrer Vergangenheit stellen muss. Ob buchstäblich oder im übertragenen Sinne, das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Aber gerade Fans von Firewatch und What Remains of Edith Finch sollten einen Blick riskieren. Auch wenn weder das Niveau des einen, noch des anderen am Ende ganz erreicht wird.

 

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Infos
The Suicide of Rachel Foster
The Suicide of Rachel Foster Packshot
Publisher: Daedalic Entertainment
Entwickler: One O One Games, Reddoll Games
Release: 2020-09-09
Zusammenfassung
Toller Walking Simulator für Fans von Firewatch und What Remains of Edith Finch, die sich vor einer Prise Shining nicht fürchten. Spielerisch mau, überzeugen Atmosphäre und Geschichte des Spiels und fesseln bis zum Schluss - 7,5
Positiv
  • Spannende Geschichte
  • Interessante Gespräche
  • Tolle musikalische Untermalung
  • Atmosphärische Umgebung
Negativ
  • Zäher Einstieg
  • Spielerisch wenig abwechslungsreich
  • Mit 2-3 Stunden doch sehr kurz

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