Jump to content
PS4-Magazin auf allen Kanälen - Folge uns!
PS4-Magazin.de
Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Daniel Bubel

[Test] - Mafia: Definitive Edition

Recommended Posts

mafiadefinitiveeditioz8jwl.jpg

 

Nach Zwei kommt Eins. Also für gewöhnlich eigentlich nicht, im Fall der definitiven Edition der Mafia Trilogy allerdings schon. Denn nachdem wir uns im Sommer die Mafia II: Definitive Edition auf unsere heimische Konsole laden konnten, reicht Entwickler Hangar 13 nun das Remake zu Mafia nach. Kein leichtes Unterfangen, gilt der 2002 veröffentlichte Erstling doch bei vielen als eines der besten Action-Adventures und als ehemals größter Grand Theft Auto-Konkurrent, der sich auf eine realistische und dramatische Story statt auf überzogene Gesellschaftssatire im blutigen Open World-Gewand konzentrierte. Ob das Spiel auch 18 Jahre später überzeugen kann, sollen die folgenden Zeilen klären.

 

 

Der große Unterschied zwischen der definitiven Edition von Mafia II und Mafia ist auf den ersten Blick ersichtlich. Da es sich bei ersterem lediglich um eine Remaster-Version handelt und bei letzterem um ein Remake, hat sich grafisch einiges getan. Während man Vitos Geschichte sein Alter also jederzeit ansah, präsentiert sich Thomas Angelos Aufstieg innerhalb der kriminellen Organisation als zeitgemäße Interpretation, die auf der PlayStation 4 Pro dank detaillierter Charaktermodelle, schöner Beleuchtung und hochaufgelöster Texturen so auch zum ersten Mal das Licht der Gaming-Welt hätte erblicken können.

 

Allerdings bleibt es nicht nur bei grafischen Updates und neuen Charaktermodellen, sondern die Entwickler haben auch inhaltlich ein wenig die Schere angesetzt. Natürlich bleibt die Handlung des Originals größtenteils identisch, allerdings werden hier und da Missionen etwas gestrafft oder um Handlungselemente erweitert. Dadurch bekommen die Charaktere in den meisten Fällen mehr Tiefe verliehen und fügen sich glaubwürdiger in die sonst ausschließlich in Zwischensequenzen erzählten Handlung ein. Puristen, die Mafia (1) einfach noch einmal in besserer Grafik erleben wollten, werden womöglich aufschreien, ich empfand die von mir wahrgenommenen Änderungen gegebenüber dem Original als durchweg gelungen. 

 

Wer den Titel bisher noch nicht gespielt hat und eventuell nur dem Namen nach kannte, darf sich insofern auf eine nochmals rundere Narrative freuen. Die Spieler und somit auch Protagonist Thomas "Tommy" Angelo beginnt seine Reise in der fiktiven Großstadt Lost Heaven Anfang der 30er-Jahre als einfacher Taxifahrer, bis er eines Abends unerwartet in das Kreuzfeuer einer Fehde zweier verfeindeter Familien gerät. Nicht ganz freiweillig, sondern nach einem ausgiebigen Blick in den Lauf einer Waffe, bringt er zwei Mitglieder der Salieri-Mitglieder in Sicherheit und bekommt sogleich einen Job angeboten. Ein Angebot, das er ablehnen kann, da er nicht weiter in kriminelle Machenschaften involviert sein möchte. Bis sich eines Tages die Ereignisse überschlagen und Tommy auf den Schutz von Don Salieri angewiesen ist.

 

ss_53523304d2d0f9846cphk0z.jpg

 

Ab diesem Zeitpunkt fährt die Geschichte kontuinierlich auf und entfaltet sich im Laufe von gut 20 Kapiteln. Tommys Aufstieg innerhalb der Familie entpuppt sich nicht nur als spannende Mafia-Geschichte, sondern strotzt nur so von Anspielungen auf Werke wie Der Pate oder Goodfellas. Klar, auch hier gilt, dass Film-Enthusiasten die Grundzüge der Geschichte so gewiss schon in der ein oder anderen Form gesehen haben, das ändert aber nichts daran, dass die Mafia: Definitive Edition dahingehend aus den Vollen schöpft. Gnadenlos finden wir, als Spieler, uns immer tiefer in einer Spirale aus Gewalt, Verrat, Freundschaft und auch Liebe gefangen, deren Verflechtungen ebenso natürlich wie kompromisslos wirken. Ja, Mafia erzählt auch heute noch eine sehr stimmige Geschichte, die dank der Erweiterungen womöglich eine noch größere Wirkung entfalten kann als noch vor 18 Jahren.

 

Das liegt aber nicht nur an der generell stimmigen Präsentation und Erzählweise, die das damalige Entwicklerstudio Illusion Softworks bereits 2002 vorfertigte, sondern auch an den tollen Charaktermodellen und den durchaus gelungenen Animationen und der starken Synchronisation. Obwohl die deutsche Synchro generell sehr gut ist, kommt im englischen Original die glaubwürdigere Stimmung auf. Die englischen Sprecher können eben jene italienische Akzente liefern, die im Deutschen komplett verloren gehen und so ein noch authentischeres Erlebnis generieren. Dieses kommt aber auch unabhängig der gewählten Sprache auf, da Lost Heaven, die entfernt an New York erinnernde fiktive Metropole und Hauptschauplatz des Spiels, die 1930er hervorragend einzufangen versteht. Sowohl die Fahrzeuge als auch die Musik tragen da ihren Teil zu bei, wobei vorallem die städtische Kulisse, Gebäudefassaden, Werbeträger und Kleidung der Spielfigur sowie NPCs eine Klasse für sich sind. Mit eingeschaltetem Radiosender durch die Straßen zu fahren, erzeugt für sich schon eine einzigartige Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann.

 

Dementsprechend schade ist es aber auf der einen Seite auch, dass die Stadt selbst eben nicht mehr als eine ansehnliche Kulisse ist und bleibt. Man kann weder Geschäfte betreten (es sei denn die Mission verlangt dies), noch irgendwelche Nebenaktivitäten verfolgen, die über "Sammele X versteckte Gegenstände" hinausgehen. Dahingehend war Mafia 2 zumindest schon einmal ein gutes Stück weiter, auch wenn der Grundanspruch an die Spielwelt ähnlich war. Hätte man solche Erweiterungen bei einem Remake unter Umständen integrieren können? Womöglich. Dass man diese Chance allerdings nicht genutzt hat, ist kein Grund für einen Punktabzug, da man das originale Spielgefühl unverändert lassen wollte. Gleichzeitig hat man bei Hangar 13 aber wohl auch gemerkt, wie wenig einladend die reine Erkundung der schönen Kulisse ist und gibt uns Spielern die Möglichkeit in die Hand die meisten Fahrten auf Knopfdruck auch zu überspringen, um direkt zum Ziel transportiert zu werden.

 

ss_b78562d5fd27b42dc2tqjxg.jpg

 

Auf der anderen Seite ist es übrigens nach wie vor erfrischend zu sehen, wie die offene Spielwelt der Mafia: Definitive Edition genutzt wird. Und das eben auch gerade im Vergleich zum Genreprimus Grand Theft Auto. Jeder Spielabschnitt ist ein in sich abgeschlossenes Kapitel mit vorgebenen Missionen. Man kann die Spielwelt frei befahren (neuerdings auch auf dem Motorrad), aber es bleibt beim reinen Schauwert. Es warten keine gefühlt tausend Ablenkungen auf dem Weg zum nächsten Ziel, sondern "nur" die Fahrt, die obligatorische Bewegung von a nach b. Hier haben wir eine simulierte offene Welt statt eines niemals enden wollenden Abenteuerspielplatzes. Je nach persönlicher Präferenz kann man das gut oder schlecht finden, am Ende passt es aber zum handlungsorientierten Spielprinzip.

 

Und dieses teil sich eben in folgende Bereiche auf: Zwischensequenzen - Fahrtmissionen - Deckungsshooter-Einlagen. Zwar kann man sich neuerdings auch an manchen Gegnern vorbeischleichen, unterm Strich kommt es aber storybedingt meist zur Konfrontation mit gut bewaffneten Feinden. Die Schauplätze sind dabei stimmungsvoll designt und bieten meist genügend Hindernisse, hinter denen man sich verstecken kann. Die Steuerung erfüllt dabei ihren Zweck, auch wenn das Anvisieren ohne Zielhilfen etwas schwammig ist. Gegner flankieren auch schon mal und schießen blindlings aus ihren eigenen Deckungen hervor, was für durchaus intensive Gefechte sorgen kann. Gerade auf den höheren Schwierigkeitsgraden hat man hier manches Mal zu knabbern. Ansonsten überzeugen die Waffenvielfalt sowie Hilfsmittel wie die Molotov-Cocktails oder in der Gegend stehende rote Tonnen, die sich in sekundenschnelle in alles verschlingende Feuerbälle verwandeln können. 

 

Alles nichts Neues, sondern stattdessen Altbewährtes. Aber die Schießereien machen Spaß und funktionieren auch sehr gut. Auch wenn das Deckungssystem manchmal etwas unpräzise ist, gerade beim schnellen Wechsel. Und auch die KI ist nicht unbedingt auf dem höchsten Niveau, was ich ebenfalls nicht als störend empfand. Luft nach oben ist bei solchen Spielen ja meist irgendwie. Aber das gilt bei allem Lob auch generell für die Mafia: Definitive Edition. Ja, das aktuelle Update hat einige Bugs und Probleme in den Griff bekommen und sogar einen optionalen Noir-Modus spendiert, dank dem wir den Titel nun auch in stimmungsvollem Schwarz-Weiß genießen können. Dieses Update hat zumindest einige meiner auf den technischen Zustand des Spiels bezogene Kritikpunkte beseitigen können, aber Langzeitmotivation ist dennoch leider immer nicht wirklich gegeben. Wer den Titel durchgespielt hat, kann das für die Trophäen nochmals auf dem höchsten, dem "klassischen", Schwierigkeitsgrad tun und dabei noch alle sonst nutzlosen Sammelgegenstände suchen, oder im optionalen Spielmodus frei durch die Stadt fahren. Das war es dann aber auch schon ziemlich.

 

ss_1fbee8b68da144230bl3k88.jpg

 

Außerdem gibt es nach wie vor einige Kritikpunkte. So sind die Nahkämpfe überraschend unintuitiv und restriktiv. Ein Knopf zum Ausweichen, einer zum Schlagen. Wiederholung der gleichen Animationen bis zum nächsten Gegner. Und von vorne. Das hat selbst die Mafia II: Definitive Edition besser hinbekommen. Und nochmals kurz zum Schleichen: So lobenswert es ist, dass man dies nun jederzeit per Knopfdruck machen kann, so oberflächlich wurde es integriert. Und während die Texturen innerhalb der Stadt meist schnell nachladen, kommt es in den ländlichen Gegenden zu Problemen. Der "Rollrasen-Effekt" ist hier quasi allgegenwärtig und wird den ein oder anderen gewiss aus dem Spiel reißen. Ähnliches gilt auch für die "Bewohner" von Lost Heaven. Zwar tummeln sich durchaus einige dieser NPC auf den Straßen, sie tun aber noch weniger als in anderen Spielen dieser Art. Manchmal kann man vereinzelte NPC sogar dabei beobachten wie sie einfach auf der Stelle stehen und ins Nichts starren. Für immer gefangen im Code der Matrix. Sind das KO-Kriterien? Keinesfalls. Aber es sind eben Dinge, die beim Spielen auffallen und mitunter stören, auf jeden Fall aber aus der Immersion reißen. Und gerade bei einem Remake wäre hier mehr drin gewesen.

 

Fazit

 

Die Mafia: Definitive Edition gefällt mir in vielerlei Hinsicht besser als die des zweiten Teils. Einerseits hat man auf der technischen Seite einen größeren Aufwand betrieben, um den 18 Jahre alten Titel ins Jahr 2020 zu bringen, was sich in schönerer Grafik, knackigeren Texturen und toll inszenierten Zwischensequenzen zeigt. Aber meine Erwartungshaltung war auch eine andere, habe ich den ersten Teil der Reihe bis dato noch nicht gespielt gehabt. Es gab keine nostalgischen Gefühle, die enttäuscht oder bestätigt werden könnten, wohl aber diese im Internet herumspukende Überzeugung, nach welcher der Erstling zu einem der besten Action-Adventures aller Zeiten gehören soll.

Und tatsächlich, dieses Potential blitzt auch für mich auf. Gerade in der wirklich toll erzählten Geschichte macht sich bemerkbar wie emotional und dramatisch sich solche Geschichten erzählen lassen, eben auch dann, wenn die offene Welt zur Kulisse degradiert wird. Und natürlich wirken das grundlegende Missionsdesign und die Restriktionen innerhalb der Spielwelt erst einmal altbacken, aber es handelt sich hier ja am Ende auch um eine grafisch und spielerisch aufgewertete Zeitkapsel in die Vergangenheit. Und in beiden Zeitsträngen ist Mafia ein grundsätzlich tolles Spiel. Für mich kein Meisterwerk, aber eine verdammt gute Kampagne mit unschlagbarer Atmosphäre.

Ein intensiver Blick in die 1930er aus der Perspektive eines Spiels der frühen 2000er - und das auf dem Niveau eines aktuellen Titels. Ich bin überzeugt. Auch davon, dass Hangar 13 auf diesem Erfolg aufbauen können, um mit einem potentiellen Mafia 4 wieder jene Fans zurückzuholen, den sie durch den dritten Teil der Reihe vergrault haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Infos
Mafia Trilogy
Mafia Trilogy Packshot
Publisher: 2K Games
Entwickler: Hangar 13
Release: 2020-09-25
Zusammenfassung
Ein rundum gelungenes Remake eines der beliebtesten Spiele der nicht mehr ganz jungen Vergangenheit. Trotz kleinerer Mängel überzeugt die Mafia: Definitive Edition als Action-Adventure und storybasiertes Open World-Abenteuer. - 8/10
Positiv
  • Spannende und glaubwürdige Geschichte
  • Tolle Atmosphäre
  • Zahlreiche Optionen zur Anpassung der Schwierigkeit
Negativ
  • Schwammige Steuerung
  • Kaum Wiederspielwert
  • Zahlreiche Sammelgegenstände

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Mafia Remake war ganz OK aber mehr jetzt auch nicht.

Viele Dinge haben mich genervt, beispielsweise die vielen Soundbugs welche mich das Spiel bei 12 Stunden Spielzeit 5 mal hatte neustarten müssen oder das doch sehr sehr unbalanced Gameplay auf Stufe schwer hatte mich dann irgendwann nur noch genervt. Auch find ich die Story jetzt nicht unbedingt das Mafiosi Epos wie ich mir das vorgestellt hatte, dafür hatte Tommy einfach zu wenig tiefe.

 

Nur schon wie schnell der Herr in die Familie kam, da hätte man sich doch etwas mehr Zeit lassen dürfen.

 

Was mir aber hängen bleibt ist die Athomspäre und Flair der Stadt, die Autos und die Musik. Auch optisch finde ich das alles sehr schön anzusehen bis auf einzelne Charaktere.

 

vor 26 Minuten schrieb Sienanntenihn Mücke:

Gestern habe ich Teil 2 Remastered endlich durch und das war im Gegensatz zu diesem gelungenen Remake eine Frechheit.

 

Generell finde ich Teil 2 ist der beste Teil und viel mehr Mafiosi als Teil 1.

Technisch gesehen ist das schon ziemlich schlecht, scheint fast so als hätte man keine Zeit gehabt und es einfach so schnell wie möglich dahingepfeffert.

 

Offenbar hatte man Performancetechnisch mit einem Patch nachhelfen müssen, will nicht wissen wie das lief bei Release.

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Ich bin grad an Teil 2 dran und habe vorher das Remake von Teil 1 gespielt.

 

Die Technik bei Teil 2 ist dann doch schon arg schlechter als bei Teil 1, es stimmt, es wirkt wie schnell unfertig dahin geklatscht. 

 

Werde es aber trotzdem fertig spielen, will die Story einfach nochmal zuende bringen. 

 

Das Remake von Teil 1 hat mir sehr gut gefallen, grad technisch und von der Atmosphäre her. Aber man merkt bei der Spielmechanik einfach, dass es in die Jahre gekommen ist. Gefallen hats mir dennoch sehr gut, und ich würde mich dem Test hier (danke übrigens an dieser Stelle) soweit anschließen. 

 

Teil 2 hat durch den chaotischen Joe einen sympathischen Charakter, den ich als eine Art Weiterentwicklung von Paulie aus Teil 1 sehen würde. Die Missionen sind nicht so trocken wie in Teil 1 (zB die Mission mit der Leiche im Kofferraum, einfach herrlich) aber technisch ist Teil 2 auch jetzt noch ne Katastrophe. Ruckelt manchmal wie Hölle und sieht dabei nicht mal gut aus. 

 

Das optimale Spiel wäre also wohl Teil 2 mit der Technik von Teil 1 Remake 😬

 

Na mal sehen, vielleicht kommt ja ein vierter Teil, der dann neben der entsprechenden Technik auch noch eine tolle Story und moderne Spielmechanik hat. Das wäre natürlich das Größte. 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Join the conversation

You are posting as a guest. If you have an account, sign in now to post with your account.
Note: Your post will require moderator approval before it will be visible.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung wiederherstellen

  Only 75 emoji are allowed.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.

Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  

  • Wer ist Online   0 Benutzer

    Keine registrierten Benutzer online.

×
×
  • Neu erstellen...